Date December 1, 2017

In Anlehnung an ein Editorial von Adam Meakins im „British Journal of Sports Medicine“ (2016)

Mythos: Akupunktur wirkt

Die Wirksamkeit von Akupunktur bei muskuloskelettalen Erkrankungen ist sehr kontrovers. Die aktuellen Leitlinien für Rückenschmerzen in UK (NICE-Guidelines) haben Akupunktur aufgrund mangelnder Wirksamkeit gegenüber Placebo gerade gestrichen.

“Acupuncture is no longer recommended for the management

of non-specific lowback pain with or without sciatica because

Evidence shows that it is no better than sham treatment, says

new draft guidance from the National Institute for Health and

Care Excellence (NICE)“.

Wise (2016), „British Medical Journal“

Viele Studien zeigen keine Wirksamkeit bei hohen methodischen Standards (Placebokontrolle oder Kontrollgruppe, mittel-und langfristiges follow up statt nur kurzfristiger Ergebnisse, Beachtung der klinischen Signifikanz (und damit Relevanz) statt lediglich der statistischen Signifikanz.

Wenn die Primärstudien schlecht sind, helfen auch keine „Systematischen Reviews“, „Metaanalysen“ oder „Leitlinien“ weiter, denn es gilt: Wo „Müll“ reinkommt, kommt auch „Müll“ raus.

Quelle: Moffet HH. Sham acupuncture may be as efficacious as true acupuncture: a systematic review of clinical trials. J Altern Complement Med 2009;15:213–16.

Das „westliche“ Pendant zur Akupunktur ist das „dry needling“ („trockenes Nadeln“) und erklärt seine Effektivität nicht durch die Beeinflussung von Meridianen, die den Energiefluss wieder herstellen und das Qi wieder fließen lassen sollen, sondern durch die Beeinflussung motorischer Endplatten und nozizeptiver Nervenendigungen in hypertonen Muskelregionen.

Ein aktueller Review von Rodríguez-Mansilla et al (2016), im  „J Tradit Chin Med.“ kommt zu der Schlussfolgerung, dass das dry needling den Schmerz weniger reduziert als eine Placebobehandlung oder andere Therapien.

CONCLUSION: Dry Needling was less effective on decreasing pain comparing to the placebo group. Other treatments were more effective than DN on reducing pain after 3-4 weeks

Mythos: Akupunktur ist eine alte und bewährte Heilkunst

Die heutige Akupunktur hat nichts mit den Ursprüngen der traditionellen chinesischen Akupunktur zu tun, die als Sofortmaßnahme von den Samurai auf dem Schlachtfeld eingesetzt wurde, um, ähnlich dem Aderlass, eine Behandlung von infizierten Wunden zu erreichen. Danach ging es mit ihr über 1000 Jahre „Berg ab“, ehe Mao sie im Zuge der Kulturrevolution für ein marodes Gesundheitssystem wiederentdeckte und entsprechend aufpolierte.

Mythos: Damit Akupunktur funktioniert, bedarf es großen Wissens und einer langjährigen Ausbildung

Viele Studien zeigen, dass es für das Therapieergebnis belanglos ist, wo und wie die Nadeln appliziert werden bzw. ob überhaupt eine Penetration der Haut stattfindet (Streitberger 2010, „Non penetrating Sham Acupuncture“)

Mythos: Akupunktur beschleunigt die Heilung

Die Behauptung, dass Akupunktur durch physiologische Prozesse die Genesung fördert, wurde für muskuloskelettale Beschwerden nie belegt.

Quelle: Cox J, Varatharajan S, Côté P, et al. Are acupuncture therapies effective for the management of musculoskeletal disorders of the extremities? A systematic review by the Ontario Protocol for Traffic Injury Management (OPTIMa) Collaboration. J Orthop Sports Phys Ther 2016;26:1–80.

Mythos: Akupunktur hat zumindest keine Nebenwirkungen

Die gravierendste Nebenwirkung der Akupunktur besteht vielleicht nicht im „Nadeln“ selbst, als

vielmehr darin, dass sie Patienten ihre Selbstwirksamkeit nimmt und von der Anwendung anderer, evidenzbasierter Ansätze, wie Aktivierung und Bewegung ablenkt. Diese Gelegenheit zu verpassen, ist an sich schon eine gravierende Nebenwirkung mit einer fatalen Botschaft für den Patienten:

Es gibt für ihr Problem eine einfache (und passive) Lösung“.

Fazit:

Als Therapeuten müssen wir mehr Vertrauen und Selbstsicherheit darin gewinnen, die „einfachen“ Dinge gut zu machen. Das umfasst immer eine solide Anamnese und einen umfassenden Befund,  gefolgt von einer klaren, einfachen, simplen und ehrlichen Beratung, die den Patienten beruhigt und zu Bewegung und Aktivität auffordert, sich aber auch gegen Gurus, Schickschnack und Gimmicks stark macht, die viel versprechen, aber wenig halten.