Rotationsschmerz bei Nackenschmerz – Mechanisch oder nicht?

Rotationsschmerz bei Nackenschmerz – Mechanisch oder nicht?

Wenn ein Nackenpatient den Kopf dreht und dabei Schmerz verspürt oder sein typischer Schmerz zunimmt, dann hat das mechanische Gründe. Erscheint logisch, oder?

Genau dieser Frage sind Harvie, Moseley et al. mit einer sehr cleveren Methodik nachgegangen:

Bei 24 Patienten mit HWS-Beschwerden wurde die Rotation getestet. Erfasst wurde jeweils der Rotationswinkel, bei dem die Schmerzen auftraten bzw. die Schmerzintensität bei der Drehung.
So weit so gut.
Jetzt kommt allerdings das Spannende: Mittels einer VR (Virtuelle Realität)-Brille wurde das Gesichtsfeld der Patienten manipuliert und zwar so, dass der virtuell vermittelte Drehwinkel einmal dem realen (physischen) Drehwinkel entsprach, wohingegen ein anderes Mal der virtuelle Rotationswinkel größer oder kleiner als der tatsächliche Winkel erschien.

Was denkt ihr, passierte? (Ergebnisse auf der Folie1)

Der virtuelle Rotationswinkel bestimmte die Schmerzintensität und determinierte darüber hinaus den Winkel bei dem erstmals Schmerzen auftraten.

Eine „virtuell weitläufigere“ Drehung wird von den Patienten als schmerzhafter eingeschätzt, eine „virtuell geringere“ Drehung dagegen als weniger schmerzhaft.

Die Gründe dafür sehen die Autoren darin, dass eine größere Rotation bei Patienten mit Nackenbeschwerden eine größeres „Gefahrensignal“ repräsentiert als eine geringere Rotation. Die Gefahrensignale müssen also nicht zwangsläufig aus dem Gewebe kommen (im Sinne von Nozizeption), sondern können auch kognitiv getriggert und manipuliert sein. (s. auch Post zur klassischen Konditionierung)

FAZIT: Schmerz ist Ausdruck einer wahrgenommenen Bedrohung („danger in me“), die durch verschiedenste Neurotags, also auch kognitive, vermittelt werden kann.

Kognitive und verhaltensorientierte Therapien (Edukation, Exposition) können diese antizipierten Gefahren reduzieren und damit die Verbindung von Schmerz und Bewegung entkoppeln (Folie 2).

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