Olympia – Festival des Kinesiotapings

Olympia – Festival des Kinesiotapings


„Festival der Pseudo-Wissenschaften“ oder „Sport-Physiotherapie – die Suche nach der 1%igen Verbesserung“ waren nur einige der Schlagzeilen im Netz rund um die Arbeit zahlreicher Physios bei diesem medialen Großereignis.

Im Mittelpunkt standen dabei meist die coolen, in allen Farben schimmernden Tapes, die für viele Menschen vor dem Fernseher zu einem Inbegriff der Sport-Physiotherapie geworden sind.

Was ist aber dran an diesen Aussagen, ist ihre Polemik gerechtfertigt?

Wie so oft in der Wissenschaft wird man bei einem doch recht populären Thema kaum Schwierigkeiten haben, „positive“ Ergebnisse in einzelnen Studien zu finden. Betrachtet man dagegen das „Big Picture“ in Form von systematischen Übersichtsarbeiten oder Meta-Analysen dann wird das Bild doch deutlich einheitlicher:

Parreira und Kollegen (2015), „Journal of Physiotherapie“ konnten in einem Review bei muskuloskelettalen Beschwerden für ein Kinesiotaping (KT) keinen Vorteil gegenüber einem Placebo-Tape feststellen. In den Studien, die einen statistischen Vorteil für das Verum zeigten, war der Effekt unterhalb der klinischen Relevanz.

Schon 2013 konnten Morris et al in „Physiotherapy Theory and Practice“ bei noch großzügigeren Einschlusskriterien keinen Unterschied zwischen KT und Placebo finden.

Montalvo und Kollegen (2014), „The Physician and Sportsmedicine“ sehen in einer Meta-Analyse bei Verletzungen am Muskel-Skelett-System zwar einen statistischen Vorteil für KT, allerdings meist unterhalb der Schwelle, die eine klinische Relevanz darstellt.

In einem systematischen Review mit Meta-Analyse konnten Lim et al (2014) im „British Journal of Sports Medicine“ bei muskuloskelettalen Schmerzen von min. 4 Wochen Dauer leichte Vorteile von KT gegenüber einer minimalen Intervention (bestehend aus „Usual Care“, kein Tape bzw. Placebo-Tape) zeigen, allerding war der Unterschied zum Verum für Schmerz und Funktion sehr gering.

Vanti et al (2015), „Physiotherapy“ (Systematischer Review und Meta-Analyse) konnten für Beschwerden an der Wirbelsäule keinen Unterschied von KT zu Placebo oder keiner Behandlung für Funktionseinschränkungen dokumentieren.

Auch ein aktueller RCT von Al-Shareff (2016) in „Spine“ zeigte für chronischen Rückenschmerzpatienten nach 2 Wochen zwar einen Vorteil für KT gegenüber dem Schein-Tape, allerdings waren die Effekte auch hier unter der klinischen Relevanz.

Unter dem Strich kommt KT gegenüber einer Scheinbehandlung klinisch „nicht gut weg“

Allerding führt auch ein Placebo-Tape zu einer Schmerzreduktion, so dass zumindest eine geringe schmerzreduzierende Wirkung gegeben scheint.

Sollte man also das KT völlig aufgeben? Oder würde man damit das „Kind mit dem Bade ausschütten“?

Einmal mehr gibt es wohl keine pauschale Antwort. Entscheidend scheinen der Kontext und die Gesamtphilosophie der Behandlung zu sein.

Therapeuten, die KT als Mittel propagieren, um einen physisch schwachen Körper zu stabilisieren oder sonstige obskuren Wirkmechanismen propagieren, sind tatsächlich pseudowissenschaftlich unterwegs. Sie übertragen ihre Schadensmodelle auf Patienten und Sportler, so dass die ohne Tape nicht mehr das Spielfeld betreten, ohne ein „unsicheres Gefühl“ zu bekommen. So produzieren wir „KT-Junkies“.

KT dagegen in einem biopsychosozialen Setting, als Mittel „den Schmerz momentan etwas zu reduzieren“ und um ein „besseres Gefühl“ für die Bewegungen zu bekommen, erscheint dagegen durchaus brauchbar als ein weiteres „Tool in unserer Box“.

Also, alles eine Frage der „Botschaft“!!!!!

 

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