Der „zweigeteilte“ Glutaes max.

Der „zweigeteilte“ Glutaes max.

 

Der Glutaeus max. wird als wesentlich für den bipedalen, aufrechten Gang des Menschen gesehen.

Studien haben gezeigt, dass dieser Muskel funktionell in zwei Anteile unterteilt werden kann:

Einen – beim Menschen im Vergleich zu Primaten ausgeprägteren – superioren Anteil und einen Inferioren. Dem superioren Anteil wird eher eine abduzierende und außenrotierende Rolle zugesprochen, dem Inferioren, durch seinen größeren Hebelarm, eher eine Sagittal-Hüftextendierende.

Ein Training des Glutaeus max. wird im Rahmen der Rehabilitation bei vielen Problemen der unteren Extremität (Kniegelenk, Hüfte, Hamstrings-Verletzungen, Patellofemoral-Gelenk, u.a.) empfohlen.

Selkowitz und Kollegen haben gerade (2016) im „Journal of Orthopaedic and Sports Physical Therapy“ eine interessante Studie veröffentlicht, die sich mit der Aktivierung dieser verschiedenen Anteile durch therapeutische Übungsformen beschäftigte. Mittels Nadel-EMG wurde bei 20 gesunden Probanden das muskuläre Aktivitätsniveau bei 11 verschiedenen Übungen ermittelt. Im Gegensatz zum weit verbreiteten Oberflächen-EMG kann dieses Nadel-EMG selektivere Ergebnisse für die Aktivierung innerhalb einer Muskelgruppe liefern, da es weniger zur gegenseitigen Überlagerung, „Crosstalk“ genannt, kommt.

Der obere und untere Anteil des Glutaeus max. wurde bei den Probanden über die jeweiligen Areale distal und proximal einer Verbindungslinie von Spina iliaca posterior superior zum Trochanter major definiert.

Die Ergebnisse bestätigten die funktionelle Zweiteilung des Muskels und ermöglichen nach Ansicht der Autoren eine Differenzierung in der Trainingstherapie (Folie 1).

Der superiore Anteil wird  neben seiner Rolle als Hüftextensor außenrotatorisch und abduzierend „gebraucht“. Seine Aktivierung bei Übungsformen ohne Hüftextensions-Komponente wird also primär über die beiden letztgenannten Komponenten bestimmt (vgl. „Clam“ auf Folie 3 li. oben).

Der untere Anteil ist isolierter für die Hüftextension in der Sagittalebene zuständig, hier zeigt sich eine Abhängigkeit der Aktivierungshöhe von der Beanspruchung in dieser Richtung (Folie 2).

Bei einzelnen Pathologien, wie z.B. einer Verletzung der Hamstrings, könnte es nach Ansicht der Autoren sinnvoller sein, beide Muskelanteile gleichermaßen in der Therapie zu berücksichtigen. Bei einer exzessiven Hüftabduktion und -innenrotation wäre dagegen eine isolierte Betonung des superioren Anteils wichtiger.

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