Braucht man nach einer akuten, simplen Sprunggelenksdistorsion Physiotherapie?

Braucht man nach einer akuten, simplen Sprunggelenksdistorsion Physiotherapie?

Physiotherapie-Studie, die es ins „British Medical Journal“ geschafft haben, zeichnet meist eines aus: Eine erhebliche Tragweite. So auch die Studie von Brison et al, die vor einigen Tag veröffentlicht wurde. Es geht dabei um die Frage, ob nach einer akuten Spruggelenksdistorsion eine physiotherapeutische Behandlung notwendig ist, um kurz- bzw. langfristig die Sprunggelenksfunktion zu optimieren?

Die Slides zur Studie findet ihr unten. Der Volltext ist für alle, die zusätzliche Infos wünschen, frei verfügbar.

Leider sind aus unserer Sicht die konkreten Therapiebausteine nicht ausreichend beschrieben, um  das Therapiekonzept näher beurteilen zu können. Neuere Studien weisen beispielsweise auf die Notwendigkeit hin, die gesamte kinetische Kette im Therapieprozess zu berücksichtigen.

Die Ergebnisse stehen übrigens im Gegensatz zu denen eines aktuellen Reviews mit Meta-Analyse von Doherti et al (2016) im „British Journal of Sports Medicine“, der auf der Grundlage von 23 RCTs eine signifikante Funktionsverbesserung und vor allem eine Reduktion von Rezidiven (Odds Ratio von 0,57) durch aktive Rehabilitationsprogramme aufzeigen konnte. Diese Effekte waren vor allem bei umfangreichen Programmen zu sehen, die in der Therapiedauer mehr als 900 min umfassen. Die Studie von Brison liegt dagegen bei 210 min (plus Heimprogramm).

Dennoch müssen wir anscheinend besser darin werden, zu bestimmen, welche Patienten und zu welchem Zeit, tatsächlich von Physiotherapie profitieren. Aus unserer Sicht gibt es häufig eine Fehlversorgung. Viele Patienten, die PT verordnet bekommen, bräuchten keine (Überversorgung) und andere Patienten, die in der Physiotherapie landen sollten, kriegen wir nicht zu Gesicht (Unterversorgung).

Wir brauchen also mehr Wissen und bessere Tools dafür, den tatsächlichen Behandlungsbedarf auch unter ökonomischen Gesichtspunkten zu rechtfertigen. Diesen Schluss sollten wir aus solchen Studien ziehen, um als Berufsgruppe ernster genommen zu werden.

In diesem Sinne, be revolutionary 😉

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