Das akupunktierte Hirn!

Das akupunktierte Hirn!

Was würde mit euch passieren, wenn ihr beobachten würdet, dass eine Gummihand akupunktiert wird. Nichts, solange diese Gummihand nicht in euer Körperschema integriert ist. Genau das passiert allerdings bei der sogenannten „rubber hand illusion“.

Video: Rubber Hand Illusion

Durch das simultane „Bestreichen“ der Gummihand (die tatsächliche Hand wird hierbei verdeckt) und der gegenüberliegenden realen Hand, integriert der Proband nach einer kurzen Dauer diese artifizielle Gummihand in sein Körperschema und empfindet sie als sein eigen. Was jetzt bei einer Akupunktur dieser „falschen“ Hand passiert, ist eine spannende Frage. Chae et al (2015), „Neuroscience Letters“ führten diesen Versuch an 17 gesunden Freiwilligen durch (Folie 1 li. oben) und kamen zu ganz erstaunlichen Ergebnissen: Die Probanden beschrieben das Gefühl bei der Akupunktur mit denselben Eindrücken, wie es auch in anderen realen Akupunktur-Studien der Fall war (erfasst mit der „DeQi sensation questionnaire“). Dieses Akupunktur-Gefühl, „DeQi“ genannt, umfasst Gefühle der  „Schwere“, „Taubheit“ und des „Wundseins“ und wird als ein primärer Indikator für eine erfolgreiche Akupunktur-Behandlung angesehen.

Mit Hilfe eines funktionellen MRTs des Gehirns versuchten die Forscher weiterführend die Hirnzentren zu identifizieren, die mit dieser Erscheinung assoziiert waren (Folie 1 re. oben). Dabei stießen sie auf „alte Bekannte“ aus der Schmerzforschung, die Insel und dorsolateralen präfrontalen Kortex, den sekundär somatosensorischen Kortex (SII) und das mediale temporale visuelle Areal (MT).

Insbesondere die Aktivität der Insel zeigte einen linearen Anstieg mit der Ausprägung des DeQi (Folie 1 li. unten).

Das Gefühl akupunktiert zu werden, ist als nicht das Resultat einer „aufsteigenden Information“ („bottom up“) von der Peripherie ins ZNS (wie traditionell angenommen), sondern wird „absteigend“ („top down“) von höheren Hirnzentren vermittelt.

In einer aktuellen Präsentation von Mick Thacker vom King `s College in London stellt er bislang unveröffentlichte Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe vor, die mit selbigem Design (Akupunktur in Verbindung mit RHI) nicht nur DeQi auslösen konnten, sondern sogar selektiv die Druckschmerzschwelle an der gesunden Hand verbessern konnten. Nicht in anderen Arealen wohlgemerkt (Folie 2). Wie ist das zu erklären? Die naheliegendste Erklärung ist „Predictive Processing“. Die Probanden (bzw. deren Hirne) erwarten und antizipieren diese Ergebnisse (vgl. unseren heutigen Post auf facebook). Aus selbigem Grund zeigen viele Akupunktur-Studien keinen Unterschied in der Wirksamkeit gegenüber einer Schein-Akupunktur. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und das auf die Wirkung anderer Therapien, wie z.B. Homöopathie & Co, überträgt. 😉

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