Das Modell der 2 Spitzen: Vor bzw. nach dem Schmerz bzw. der Verletzung

Das Modell der 2 Spitzen: Vor bzw. nach dem Schmerz bzw. der Verletzung

Wir erklären den Patienten, dass das Nervensystem und das Gehirn in einigen Fällen bewusst übervorsichtig mit seinen Vorhersagen ist. Es baut eine Pufferzone zwischen der eigentlichen Schadensgrenze und der Grenze, an der Schmerzen ausgelöst werden, auf – die Pufferzone ist eine zusätzliche Sicherheitsschicht, das Äquivalent des Gehirns, ein Glas guten Weins weit weg vom Tischrand in einer überfüllten Kneipe zu platzieren. Für die meisten Patienten ist es sinnvoll, hier eine visuelle Hilfe einzuführen – z.B. das von Butler & Moseley entwickelte „Twin Peaks-Modell“ (Watson et al. 2019). Entweder man verwendet einen Ausdruck , der das Modell darstellt oder zeichnet es für den Patienten auf eine Whiteboard oder ein Blatt Papier. So fügt man nicht nur eine visuelle Kommunikationsschicht hinzu, sondern unterbricht auch das Gespräch, so dass der Patient nicht das Gefühl hat, belehrt zu werden.

Wir beschreiben weiter, wie das Nervensystem und das Gehirn manchmal übereifrig bei der Anwendung der Pufferzone sein können. Zum Beispiel kann das Gehirn/Nervensystem nach einer Verletzung die Pufferzone größer machen, so dass es einen größeren Schutzbereich durch den Schmerz aufbaut, während die Heilung stattfindet. Prinzipiell ist das eine hilfreiche Anpassung, wird aber dann maladaptiv, wenn das Gehirn/Nervensystem die Pufferzone nicht nach der Heilung des Körpers neu einstellt. In diesem Fall ist die Wahrscheinlichkeit, dass im Bereich dieses Körperteils Schmerzen entstehen größer, auch wenn das Verletzungsrisiko im Allgemeinen wieder auf das normale Niveau zurückgegangen sein wird. Die übereifrige Anwendung des Puffers kann durch alle möglichen Stressoren ausgelöst werden, nicht nur durch eine Fehlanpassung nach einer tatsächlichen Verletzung. Manchmal kann diese Fehlanpassung sogar durch den Glauben ausgelöst werden, dass mit dem Körper etwas nicht stimmt – ähnlich wie bei Spinnen, die manchmal „gefühlt“ über dich kriechen, nachdem du durch ein Spinnennetz gegangen bist, unabhängig davon, ob sie tatsächlich auf deinem Körper kriechen oder nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:

Angelehnt an Permission to Move Form Physiotherapy – 2019

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