Das Modell der fehlgeleiteten  Problemlösung

Das Modell der fehlgeleiteten Problemlösung

…Wenn die Lösung selbst zum Problem wird….

oder warum „harmlose, aber langfristig ineffektive “ Therapien vielleicht gar nicht so unproblematisch sind, wie viele denken.

Die Situation vielen Patienten mit persistierenden muskuloskelettalen Beschwerden hat eine norwegischer Kollege, Sigurd Mikkelsen, mit einem  „beißenden“ Tweet auf den Punkt gebracht (slide 1).

Wir wollen jetzt sicher nicht sagen, dass der klassische deutsche Physiotherapie-Patient häufig seine Brieftasche öffnen müsste, aber im ersten Teil der Aussage steckt doch viel Wahres!

Häufig hört man Kollegen sagen, dass es langfristig vielleicht nicht viel bringt, aber doch zumindest auch nicht schadet. Und genau da widersprechen moderne schmerzpsychologische Modelle, wie das der „fehlgeleiteten Problemlösung“ (slide 2):

Dem Patienten werden seine Probleme am Bewegungsapparat (z.B. seine Rückenschmerzen) meist rein mechanisch erklärt, woraus der Patient schließt, dass es nur eine Lösung geben kann: „Das Ding muss wieder in Ordnung gebracht werden“. Also macht er sich auf die Suche nach einer solchen Lösung und kann sich auf dem „therapeutischen Markt“ eines reichhaltigen Angebots sicher sein. Er probiert „dies und das“, geht zu jeder Koryphäe („Ich habe schon so viel Gutes von ihnen gehört“) – die dann bald allerdings auch meist wieder „gekillt“ wird („bringt doch am Ende nix, was Sie machen“) -, worauf die „Patienten-Karawane“ weiterzieht. Da nichts dauerhaft zu helfen scheint, werden die Patienten noch fokussierter auf den Schmerz, noch frustrierter, hoffnungsloser und verzweifelter. Viele Patienten kommen von diesem Karussell aus „Suche nach der lang ersehnten Lösung“, „Frustration, Hoffnungslosigkeit und noch verbohrterer Suche“ nicht mehr runter.

Erst wenn wir das Problem des Patienten umformulieren, indem wir die Vielschichtigkeit vieler „biomechanischer“ Probleme erklären und auf die Notwendigkeit hinweisen, selbst ein aktive Rolle im Therapieprozess einzunehmen, können wir unseren Patienten ehrlich und langfristig helfen. Therapien, die das „verschweigen“, nehmen dem Patienten seine Resilienz, seine Selbstwirksamkeit und seine Flexibilität im Umgang mit Schmerz. Stattdessen machen sie die Schmerzbefreiung zum Fetisch im Sinne von „Yes we can“: „Wir können dir helfen, du musst uns nur vertrauen, wir kriegen das schon hin“. Sie machen ihn passiv anstatt zu aktivieren, anstatt den Patienten selbst zur Lösung zu machen.

Sie sind nicht unschuldig, sondern sind Teil des Problems, sie kommen nur unschuldig daher: Wie der Wolf im Schafspelz eben.

 

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