DIE DUNKLE SEITE DER METAPHER!

DIE DUNKLE SEITE DER METAPHER!

 Der Körper ist keine Maschine!!!

Für die Methodik der therapeutischen Schmerzedukation sind Metaphern äußerst wichtig, um „komplexe“ Prozesse in alltagsnahe, einfache Gedankenmodelle zu übersetzen und für den Patienten damit häufig erst verständlich und „erschließbar“ zu machen (vgl. Gallagher et al 2013, Louw et al 2016).

Denkt z.B. an die häufig verwendeten Vergleiche eines „übersensiblen Nervensystems“ mit einer zu „scharf eingestellten“ Alarmanlage bzw. einem „hochregulierten Bewegungsmelders“. Der Rückgriff auf solche Beispiele aus dem Alltagsleben ermöglicht es uns, Schmerzmodelle einfacher auszutauschen, und damit die Tür für einen neuen Umgang mit dem Schmerz zu öffnen.

Wir sollten uns aber auch im Klaren darüber sein, dass viele Metaphern eine „dunkle Seite“ besitzen, indem sie maladaptiv wirken: Unser Verhalten und unsere Emotionen werden davon bestimmt, wie wir Dinge verstehen und interpretieren.

Eine extrem bedeutende und „gefährliche“ Metapher, auf die viele Ärzte, aber auch Patienten zurückgreifen, ist die des Körpers als eine technische Maschine (Stewart 2014). Wer von euch hat noch nichts von „verrutschenden Bandscheiben“, „rostigen Scharnieren“, „verschobenen ISGs“ und „Knorpelbruch“ (mein persönlicher „favorite“) gehört. Wenn Patienten solche Bilder im Kopf haben, dann werden sie sich auch so verhalten und bewegen, als würden eben diese technischen Defekte auch tatsächlich vorliegen!!!

Deshalb ist es aus unserer Sicht in der Therapie wichtig, dieses maladaptive Bild des „Körpers als Maschine“ durch das adaptive Bild eines „lebendigen, anpassungsfähigen Systems“ zu ersetzten, dass über die Jahrmillionen der Evolution extrem variantenreiche und intelligente Mechanismen entwickelt hat, um mit ständig neuen Umweltanforderungen fertig zu werden.

Eine schöne Gegenüberstellung ist hier der Vergleich eines Autoreifens mit der menschlichen Haut (Folie 1 und 2). Der Autoreifen verschleißt schneller, wenn er ständig mit „quietschenden Reifen“ im Endbereich seiner Belastbarkeit benutzt wird. Die „Außenhülle“ des biologischen Systems „Mensch“ passt sich dagegen an, der Turner auf der Folie entwickelt eine Hornhaut.

Also: Wir müssen die Belastbarkeit, die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers  und die Notwendigkeit seiner Belastung in allen Bereichen betonen („USE IT OR LOSE IT“, Folien 3 und 4) und verhindern, durch technische Metaphern die Hirne unserer Patienten mit negativen „Gedankenviren“ zu infizieren!!!

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