Auf der Suche nach den DIMs und SIMs

Auf der Suche nach den DIMs und SIMs

Wenn ihr morgens im Bus sitzt, und ein wirklich nicht auszuhaltend unangenehm riechender Zeitgenosse sich neben euch setzt, was geht dann in eurem Körper vor? Sitzt ihr dann locker und entspannt? Angenommen ihr hättet gerade heute Morgen beim Zähneputzen „Rücken bekommen“, was würde der Schmerz dann in dieser Situation machen?

Bartolo und Kollegen haben 2013 ein ähnliches Design gewählt, um festzustellen, ob eine Manipulation des Geruchs bei ihren Probanden – also ob das Riechen unangenehmer „Duftnoten“ oder angenehmer Gerüche –  eine Auswirkung auf den Schmerz und die Höhe des spinalen, „nozizeptiven Schutzreflexes“ hat. Dieser Schutzreflex wurde durch eine schmerzhafte elektrische Reizung der N. suralis induziert, während man gleichzeitig die „Duftnoten verabreichte“ (vgl. Abbildung auf Folie 1 und 2).

Die Ergebnisse sind  auf den ersten beiden Folien zu finden: Der nozizeptive Schutzreflex und die Schmerzwahrnehmung werden massiv von den Gerüchen beeinflusst und moduliert.

Was heißt das nun aber für unsere Therapie?

Alles, was uns Sicherheit gibt, zu unserem Wohlgefühl beitragt, ist in der Lage, Schmerzen zu reduzieren und die Motorik in Richtung „entspannte Bewegung („locker, leicht, variabel und spielerisch“) zu verändern.

Butler & Moseley sprechen hier von Sicherheitssignalen (SIMs, „Safety In Me“).

Alles was uns unsicher macht, uns bedrohlich erscheint, unser Wohlbefinden einschränkt, kann Schmerzen auslösen oder verstärken und die Motorik in Richtung „Protektion“ verändern („rigide, unsichere, steife,  variationsarme Bewegungen“).

Hier haben Butler & Moseley den Begriff der Gefahrenbotschaften (DIMs, „Danger In Me“) geprägt.

Auf dieser Grundlage haben sie eine App entwickelt, die es dem Patienten erlauben, seine DIMs und SIMs zu entdecken, um so ein Gefühl des Verständnisses und der Kontrollierbarkeit für den Schmerz zu erlangen (Folie 3 und Folie 4). Der Schmerz erhält quasi eine Struktur. Genau mit dem Erkennen einer Struktur haben viele Patienten große Schwierigkeit, was wiederum als DIM fungieren kann („Ich verstehe echt nicht, was da gerade los ist“).

Auch wir Therapeuten sollten lernen, in diese Richtung zu denken. Die periphere Nozizeption (das periphere DIM) aus dem Kniegelenk (oder wo auch immer), ist dann nur ein Teil der „Gesamtrechnung für Schmerz“ (Folie 4 re.: Schmerz =  (Summe aller Gefahrenbotschaften) – (Summe aller Sicherheitssignale)).

Wenn wir das anerkennen, wird sich unsere Management-Strategie ändern, und wir landen zwangsläufig bei einer multimodalen Physiotherapie, die die spezifischen SIMs und DIMs des Einzelnen in den Mittelpunkt der Therapie stellt. (Folie 5).

Denkt bei eurem nächsten Patienten mal in diesen Kategorien!!

Was sind seine DIMs? (z.B. „verunsichernde MRT-Befunde“, „rigide Bewegungsmuster“)?

Und wo seht ihr SIMs? (z.B. körperliche Aktivität, Hoffnung, soziale Eingebundenheit? (Folie 6)

… und schon seid ihr auf dem richtigen Weg und habt noch Spaß dabei !!!!!

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