Gestörter Schlaf und Schmerz: Henne oder Ei?

Gestörter Schlaf und Schmerz: Henne oder Ei?

Schlafstörungen sind mit Schmerzen assoziiert, darüber besteht Einigkeit. Wir haben an verschiedensten Stellen darüber berichtet. Was weitaus weniger klar ist, ist die Richtung dieser Beziehung: Führen die Schmerzen zu den Schlafstörungen oder sind die Schlafstörungen ursächlich für die Schmerzen. Die alte Frage nach „Henne oder Ei“ also. Bereits 2013 hat ein Review von Finan und Kollegen zu der Schlussfolgerung geführt, dass Schlafstörungen ein stärkerer und verlässlicherer Prädiktor für Schmerzen als Schmerzen für Schlafstörungen sind. Eine gerade erschienene Studie von Gerhart et al (2016) bringt mit einer Pfad-Analyse bei chronischen Rückenschmerzpatienten weiteres „Licht ins Dunkel“. Die Autoren konnten einen weitaus stärkeren Einfluss von Schlafqualität auf die Schmerzintensität, aber auch auf die Stimmung, Katastrophisierungstendenzen und Funktion als für die Ursache-Folge-Kette von „Schmerz zu Schlafstörung“ nachweisen (hier nicht signifkant, Folie unten). Gerade ein starker morgendlicher Schmerz war mit den Schlafstörungen in Verbindung zu bringen, während bei den Rückenschmerzpatienten mit besserer Schlafqualität eher eine Zunahme der Schmerzintensität im Tagesverlauf zu beobachten war. Ein guter Hinweis für die Befundung, oder?

Wie beeinflusst Schlaf aber die Schmerzintensität?

? Aktuelle Studien zeigen, dass Schlafstörungen zentrale Prozesse der Schmerzverarbeitung und -chronifizierung beeinflussen, insbesondere die endogene Schmerzhemmung und Schmerzmechanismen, die für Gelenkschmerzen verantwortlich sind.

? Haack et al (2007) konnte höhere Entzündungsmediatoren (Interleukine) bei reduzierter Schlafdauer zeigen, höhere Entzündungsmediatoren auch bei Mullington et al (2010).

? Tang et al (2012) konnte zeigen, dass zwischen Patienten, die angaben, schmerzbedingt nicht schlafen zu können und Patienten, die unter einer primären Schlafstörung litten, ein vergleichbares Schema vorlag:

In beiden Gruppen waren die Stimmungslage und die Gedankenprozesse vor dem Schlafen für das Schlafverhalten bestimmend!

Sinnvolle Screening-Fragen wären:

„Wie viele Stunden schlafen sie im Durchschnitt pro Nacht?“

„Fühlen Sie sich morgens ausgeruht, wenn Sie normal geschlafen haben?“

„Was macht Ihr Schmerz nach einer schlechten Nacht?“

Also, habt den Schlaf eurer Patienten auf dem Schirm 😉 !!!

Mehr zur Therapie von Schlafstörungen hier!

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