Harvie, Moseley, die VR Brille und der Nackenschmerz

Harvie, Moseley, die VR Brille und der Nackenschmerz

 

Kommen wir zurück zu Harvie, Moseley & Co, ihrer VR-Brille und den HWS-Patienten (Ihr erinnert euch, der gestrige Post, wenn nicht, bitte unbedingt lesen, macht die hier folgende Studie nämlich viel verständlicher)

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26405091

Diesmal beschäftigen sie sich mit der Propriozeption bei Nackenpatienten und einem neuen Test, den sie „Proprioception Incongruence Detection Test“ genannt haben.

Ihr seht die Anweisung an die Patienten auf der Folie 1 und 2:

Die Patienten mussten also bei einer HWS-Rotation die Inkongruenz zwischen der tatsächlichen Kopfbewegung und der VR-manipulierten visuellen Referenz identifizieren.

Als zweiten Test setzten sie einen „klassischen“ propriozeptiven Winkelreproduktionstest (RPE, Folie 3) ein:

Die Patienten mussten jeweils 30° nach re. bzw. li. rotieren, um danach die neutrale Ausgangsstellung wieder zu finden. Die entsprechenden Abweichungen wurden aus der Differenz der tatsächlichen und der vom Patienten eingenommenen Rotationsstellung ermittelt.

In diesem Test („head to neutral“) zeigen Patienten mit Nackenbeschwerden eine verminderte Reproduktionsfähigkeit (Review von Stanton et al 2015, „Physiotherapy“), allerdings sind die Unterschiede gering und hoch variabel. Man vermutet, dass dieser Test nicht alle Dimensionen propriozeptiver Veränderungen bei Schmerzen abbilden kann und daher als umfassendes Assessment nicht geeignet ist.

Kommen wir zu den Ergebnissen (Folie 4):

Nackenpatienten hatte im Vergleich zu Gesunden deutlich mehr Schwierigkeiten damit festzustellen, ob eine Inkongruenz von tatsächlicher und virtueller Rotation auftrat. Die Winkelreproduktion war dagegen nicht unterschiedlich.

Zudem – und das ist besonders bemerkenswert – zeigte sich eine deutliche Korrelation von PID-Test zur „durchschnittlichen“ und „stärksten“ Schmerzintensität der Patienten, was für den RPE nicht der Fall war. Auch zwischen RPE und PID war keine Korrelation gegeben, sie testen also verschiedene Konstrukte ab.

Die Autoren vermuten, dass sie sensorische Ungenauigkeit zu Veränderungen in der kortikalen Körpermatrix führt, also der Neuronen-Population, die ein konsistentes „Bild“ des Körpers bzw. des „Raumes um die Person“ vermittelt (Folie 5). In dieses „Körper-Selbst“ müssen alle sensorischen Informationen integriert werden. Besteht eine Störung in dieser multisensorischen Integration, sind also „intrakortikale Inhibitionsprozesse“ nicht präzise genug, dann kann daraus Schmerz entstehen („imprecision hypothesis“, Moseley & Vlaeyen, Folie 6).

So jetzt habt ihr´s geschafft. Der Kopf „raucht“, aber das Wochenende ruft…Gute Erholung!!

 

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