Helfen Manuelle Therapien gegen Rückenschmerzen???

Helfen Manuelle Therapien gegen Rückenschmerzen???

Dieser Frage versuchte Prof. Menke in einer vielbeachteten Studie in „SPINE“ nachzugehen. Im Gegensatz zu einer klassischen Meta-Analyse, wo die Differenzen zwischen den Behandlungsgruppen einzelner RCTs in einer Gesamtbewertung „gepoolt“ (vereint) werden, führte er eine Meta-Analyse mit komparativer Untersuchung zur Effektivität (CEM) durch. Wolltet ihr schon immer mal wissen, oder 😉 ?

Dabei werden die Studienarme einzelner RCTs zusammengefasst und die Wirksamkeit im Kollektiv gegen andere Interventionen dargestellt. So kann man Vergleiche zwischen Effekten herstellen, auch wenn die Primärstudien diesen direkten Vergleiche, z.B. zwischen MT und „natürlichem Heilungsverlauf“ überhaupt nicht bearbeitet haben. So konnte er eine gigantische Zahl von 256 Studienarmen generieren und war so in der Lage, selbst kleinste Unterschiede zu erkennen.

 Die Ergebnisse sind extrem spannend:

 Nur 3% des Behandlungseffektes bei akuten Rückenschmerzen durch MT (der aufgeklärten Varianz) ist auf die Behandlung  zurückzuführen, der Rest auf den natürlichen Verlauf. Bei chronischen Rückenschmerzen beträgt der Anteil gegenüber dem natürlichen Verlauf 32% (Folie 1). Berücksichtigt man dabei, dass Effekte wie Zuwendung und Empathie in der Behandlung eine Rolle spielen, dann bleibt an „spezifischem“ Behandlungseffekt nicht mehr viel übrig.

 Auch den häufigen Kritikpunkt solcher Studien, dass nämlich eine standardisierte MT, wie sie in vielen Studien vorgenommen wird, nichts mit dem therapeutischen Alltag zu tun hätte, konnte Menke entwerten. Sogenannte „whole system approaches“, bei denen z.B. Chiropraktiker eine freie Methodenwahl nach einem vorhergehenden Befund haben, schnitten nicht besser ab als „MT von der Stange“.

 Physios waren übrigens die Berufsgruppe (Folie 2) mit den besten Behandlungseffekten durch MT (besser als Chiropraktiker, Ärzte, Osteopathen, u.a., allerdings ohne signifikanten Unterschied). Yeahh!!! ;).

Seine Schlussfolgerung ist im Bereich der Evidenzbasierten Medizin selten zu lesen: Wir wissen genug über die geringe Wirksamkeit von Manuellen Therapie, wir brauchen nicht noch mehr Studien zu diesem Thema.

 BASTA 😉

Ein lesenswerter Kommentar (inklusive wichtiger und richtiger Kritikpunkte) zu dieser Studie von Neil O´Connell schließt mit einer „beißenden Analyse“:

„The genesis of a manual therapy sect classically starts with an individual making observations that a specific type of poking and prodding seems to work. Observations that themselves are steeped in unreliability. From there a slow-building mass of belief emerges, fed, at least in part, by expectation, confirmation biases, misattributed natural recovery, placebo and the moulding of a structural spinal model to explain the success. This is then enthusiastically disseminated to a clinical community keen for something new, something that “works”. A kind of fallacy-driven snowball effect.  The arguably naïve ideas as to what can be reliably palpated and notions regarding the adaptability of tissues to short lived small forces were all warning signs, as was the rapid roll out of these therapies to everyday practice in advance of robust mechanistic or clinical evidence. Much of the modern reconceptualising of the mechanisms of manual therapy (with a strong emphasis on neurophysiological effects) can appear a little like retrofitting new explanations to defend a trivial, short lived and possibly spurious effect. Taking this path manual therapy risks joining acupuncture in the “unfalsifiable hypothesis” bin. Many will argue that the true benefit of manual therapy for back pain just isn’t reflected in these trials and analyses. If so it seems to be doing a rather good job of hiding.“

Damit ist alles gesagt, oder?

 

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