Ist Beugen ein Prädiktor für Rückenschmerz? – Nein!! (vielleicht)

Ist Beugen ein Prädiktor für Rückenschmerz? – Nein!! (vielleicht)

In der diesjährigen Ausgabe vom September des skandinavischen Journals for Work, Environment and Health erschient eine UNtersuchung von Lagersted- Olsen et al. . Ist die tägliche Beugezeit bei Arbeitern ein Prädiktor für die Entwicklung von Low Back Pain?

Dabei wurden insgesamt 682 Arbeiter aus 15 verschiedenen Firmen (Bereiche: Handwerk, Reinigung, Transport) mit Bewegungssensoren versehen um die durchschnittliche Beugezeit im Alltag zu über wenige Tage zu ermitteln. Ebenso wurden zu Begin verschiedene Fragebögen eingesetzt um die Prävalenz von Rückenschmerz, die alltägliche Belastung sowie die allg. körperliche Aktivität zu erheben. Nach einem Jahr wurde die Entwicklung der Rückenschmerzen abgefragt.

Ergebnis

Es lässt sich keinen Zusammenhang zwischen der Beugezeit der Personen und einer Entwicklung von Rückenschmerzen feststellen. Auch der Neigewinkel (>30°, >60°, >90°) des Rumpfes scheint sich nicht negativ auszuwirken. Aber so einfach ist es dann doch nicht.

Die Autoren führen drei mögliche Annahmen bei der Interpretation ihrer Ergebnisse an

Es gibt keine Verbindung zwischen Rumpfneigung und höherem Risiko für LBP.

Es ist eine der ersten Untersuchungen mit Akzelerometern, welche die Auswirkungen von Rumpfneigung auf das Schmerzrisiko untersuchen. Bisherige Studien, die zu anderem Ergebnis kommen, basieren auf rückwirckende Einschätzung der Probanden, die fehlerbehaftet sein kann.

Es gibt eine positive Korrelation. Allerdings ist sie durch das Design und/ oder die Methode verwischt.

Erinnerungsfehler der Probanden über die tatsächliche Beugezeit und die Varietät der Beugezeiten innerhalb der untersuchten Personen könnten für eine ausbleibende Signifikanz verantwortlich sein. Außerdem sagt die tägliche Summation der Beugezeiten noch nichts darüber aus ob eine Beugung über längeren Zeitraum (>60min) nicht doch schädlich für die Entwicklung von Schmerzen wäre.

Es gibt eine positive Korrelation. Diese wirkt sich allerdings nur unter bestimmten Umständen aus.

Als Beispiel kann eine Rumpfflexion mit rotatorischer Komponente genannt werden. Stichwort: externale Kräfte. Über diese ist in der Untersuchung nichts bekannt.

Soziale Unterstützung/ Soziale Akzeptanz könnte ebenfalls eine Rolle bei der Entwicklung von Rückenschmerzen und Beugen spielen.

Außerdem könnte davon ausgegangen werden, dass es sich bei den Probanden um „healthy survivors“ handelt. Das heißt, dass die untersuchten Personen eher die körperlichen Ressourcen mit sich bringen und damit der Belastung einer Arbeitsaufgabe gut widerstehen können. Personen, die dies nicht könnten, würden die Arbeitsaufgabe abbrechen oder diese erstt gar nicht durchführen.

Fazit

Bis zur harten Evidenz ist es noch ein langer Weg. Aber so ist es nunmal mit prospektiven Studien dieser Art. Was besseres haben wir eben im Moment nicht.

 

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