Ist ein aerobes Training (AT) bei Patienten mit Migräne sinnvoll?

Ist ein aerobes Training (AT) bei Patienten mit Migräne sinnvoll?

Hintergrund

Migräne ist durch wiederkehrende einseitige pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet (Younger 2016), die mit einer geschätzten Prävalenz von 11,6% in der Altersgruppe 15 bis 49  eine der am stärksten einschränkenden Pathologien darstellt (Torelli & Jensen 2010). Sie gilt als  Grund Nr. 1 für Aktivitätseinschränkungen von unter 50 Jährigen und besitzt ein viel höheres Behinderungspotenzial als Kopfschmerzen vom Spannungstyp (Stovner et al. 2018). Bei einem Drittel der Migräneattacken geht eine Aura voraus. Die Aura kann vor oder während des Kopfschmerzes auftreten und ist durch vollständig reversible fokal-neurologische Symptome zusammen mit einer kortikalen Ausbreitungsdepression gekennzeichnet (Dodick 2018). Der Migränekopfschmerz selbst  wird von den Patienten als pochender Schmerz mit Übelkeit und/oder Erbrechen, Photophobie und/oder Phonophobie beschrieben (Schoonman et al. 2006). Es besteht eine Beteiligung des trigeminovaskulären Systems (Brennan & Charles 2010) und eine periphere oder zentrale Sensibilisierung (Galletti et al. 2009). Die häufigsten Symptome dieser Phase sind Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Muskelschmerzen und veränderte Wahrnehmung von Sinnesreizen (DeLange & Cutrer 2014, Daenen et al. 2014, Tulay et al. 2016).

Ergebnisse

Insgesamt wurden 10 Studien, an denen 508 Patienten beteiligt waren.

Die Meta-Analyse zeigte kurzfristig statistisch signifikante Unterschiede (geringe Qualität der Evidenz nach GRADE) in der Abnahme der Schmerzintensität (5 Studien, 44 n=166; SMD=1,25; 95% CI 0,47-2,04), der Häufigkeit (6 Studien, n=214; SMD=0,76; 95% CI 0,32- 45 1,2) und der Dauer der Migräne (4 Studien, n=106; SMD=0,41; 95% CI 0,03-0,8).

 

Darüber hinaus zeigte die Meta-Analyse statistisch signifikante Unterschiede in der Steigerung der Lebensqualität (moderate Qualität der Evidenz nach GRADE; 4 Studien, n=150; SMD=2,7; 95% CI 1,17-4,24), obwohl der Egger-Test signifikante Hinweise auf einen Publikationsbias für die Analyse der Lebensqualität ergab (Intercept=5,81; t=6,97; 49 p=.02).

 

Schlussfolgerungen

Es gibt Hinweise von geringer bis mittlerer Qualität, dass AT bei Patienten mit Migräne die Schmerzintensität, –häufigkeit und -dauer der Migräne verringern und auch die Lebensqualität erhöhen kann. Spekuliert wird, dass die Wirkmechanismen des  ATs mit Veränderungen in  entzündlichen und neurovaskulären Bahnen sowie mit psychologischen, verhaltensbezogenen und  soziokognitiven Faktoren in Verbindung gebracht werden könnten (Amin et al. 2018, Irby et al. 2016)

 

Quelle

Is aerobic exercise helpful in patients with migraine? A systematic review and meta?analysis

Roy Touche-Juan Pérez-Alejandro Acosta-Lisandro Campodónico-Sergio García-Daniel Juárez-Beatriz García-Santiago Angulo?Díaz?Parreño-Ferran Cuenca?Martínez-Luis Suso?Martí-Alba Paris?Alemany – Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports – 2020

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