Ist es Zeit, Schulter-Spezialtests  in Rente zu schicken?

Ist es Zeit, Schulter-Spezialtests in Rente zu schicken?

Ist es Zeit, Schulter-Spezialtests in Rente zu schicken?

  • “Spezialtests“ an der Schulter sind nicht in der Lage, die Strukturen zu identifizieren, die vermeintlich die Schmerzen bei Rotatorenmanschetten-assoziierten Beschwerden (RASB) erklären sollen. (Hegedus et al. 2012). Entzündungsmediatoren, hochinnerviertes Bursa-Gewebe (Gotoh et al. 2001) und die Verschmelzung subacromialer Strukturen (Clark & Harryman 1992) machen eine selektive Testung unmöglich. Zudem gibt es keine Hinweise darauf, dass ihre Integration das physiotherapeutische Management tatsächlich verbessern würde, unabhängig ihrer diagnostischen Genauigkeit (vgl. Schünemann et al. 2008). Ein Elefant im Raum ist auch die hohe Zahl asymptomatischer Menschen, die strukturelle Veränderungen zeigen (also positiv im Referenztest sind, Tran et al. 2018).
  • Die so genannten „Spezialtests“ sollten nur als Schmerz-Provokationstests betrachtet werden. Wenn der Patient seine Symptome während einer physiologischen Bewegung, Aktivität oder funktionellen Aufgabe reproduzieren kann, liefern die während der speziellen Tests erzeugten Symptome keine zusätzlichen Informationen.
  • Die Verwendung von Spezialtests, um Patienten über die spezifische Quelle ihrer Symptome zu informieren, und auf dieser Grundlage dann anschließende Empfehlungen für das operative oder nichtoperative Management dieser Struktur abzugeben, ist sicher nicht die beste (Lin et al. 2019), und wahrscheinlich auch keine akzeptable klinische Praxis.
  • Ein umfassendes klinisches Interview und eine körperliche Untersuchung können dazu verwendet werden, eine Arbeitshypothese für das Management von RASB aufzustellen, ohne dass hierzu „spezielle“ Tests erforderlich wären. (s. nachfolgend)

 

Ist es Zeit, Schulter-Spezialtests in Rente zu schicken?: Die Alternative

Unter-suchungs-komponente Spezifisches Element
Screene nach ernsthafter Pathologie/

red flags

Umfassendes Patienten-interview •Frage nach Veränderungen in der Belastung, die die klinische Hypothese der RASB  unterstützen können.

•Identifiziere die Auswirkungen der Symptome auf den Patienten, seine Überzeugungen und Erwartungen und auf die wertgeschätzten Aktivitäten, zu denen der Patient zurückkehren möchte.

•Identifiziere relevante psychosoziale Faktoren, Lebensstilfaktoren, aktuelle Aktivitätsniveaus, Medikamente (verschrieben, rezeptfrei).

•Berücksichtige Komorbiditäten, Risikofaktoren (insbesondere Alter, Diabetes und Überkopf-Aktivitäten), „red flags“.

Gebrauch von Fragebögen für Funktion •Nutze Fragebögen für generelle funktionelle Einschränkungen

•Nutze schulterspezifische Fragebögen

•Verwende psychosoziale Fragebögen

Erfasse Impairments •Gegebenenfalls neurologisches Screening

•Schließe übertragene Schmerzen so gut wie möglich aus

• Bilaterales Assessment

• ROM (aktiv und passiv)

•Kraft, Wiederholungen bis zum Schmerz und / oder Ermüdung

•Reaktion auf Änderungen der Belastung der Muskel-Sehnen-Einheiten

•Beurteilung der Bewegungsausmaßes der unteren Extremität und des Rumpfes sowie Funktion

•Bedenke, dass Nozizeption nicht notwendig für eine Schmerzerfahrung ist

 

Untersuchungs-komponente Spezifisches Element
Edukation der Patienten und Beratung bezüglich des Zustandes und der  Management-Optionen •Gemeinsame Entscheidungsfindung, bei der Nebenwirkungen, Nutzen und die Anforderungen für die wichtigsten Behandlungsalternativen berücksichtigt werden: Keine Intervention, Rehabilitation, Injektionen und Operationen.

•Ziele darauf ab, eine risikoarme, hochwertige, evidenzbasierte Versorgung zu fördern, mit einem Vorteil für den Einzelnen als auch für die Nachhaltigkeit der Gesundheitsversorgung.

Wenn die Entscheidung des Managements nicht nicht-operativ ausfällt, dann biete eine Therapie an, die auf den Er-gebnissen der Untersuchung basiert und körperliche Aktivität und Funktion einbezieht. •Abgestufter Rehabilitationsverlauf über mindestens 3 Monate mit Aktivitätsveränderung wie angezeigt, mit dem Ziel, die funktionellen Erwartungen des Patienten zu übertreffen.

•Beziehe alle funktionellen Aktivitäten in die Rehabilitation ein; offene und geschlossene Kette, Präzision und „chaotische“ Aktivitäten.

•Adressiere Lebensstilfaktoren: Rauchen, Ernährung, Schlaf, Stress.

• Erkenne an, dass es keine „fixt-it-Heilung“ gibt, und dass die Aufmerksamkeit auf die Lebensweise zusammen mit einer Reihe von Ganzkörperübungen und Aktivitäten beibehalten und – wenn möglich – schrittweise erhöht werden muss, ohne „Enddatum“.

•Wenn die gewünschten Ergebnisse nicht erreicht werden oder der Zustand sich verschlechtert, sollten andere Managementoptionen in Betracht gezogen werden, aber erst, nachdem die Nebenwirkungen und potenziellen Vorteile diskutiert und verstanden worden sind .

 

Quelle:

It Is Time to Put ‘Special Tests’ for Rotator Cuff Related Shoulder Pain Out to Pasture

Paul Salamh-Jeremy Lewis – Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy – 2020

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