Kann Sehnenmorphologie (im Ultraschall) ein Risikofaktor sein?

Kann Sehnenmorphologie (im Ultraschall) ein Risikofaktor sein?

Auf internationaler Ebene schließt die bildgebende Diagnostik bei Tendinopathien häufig Ultraschall ein. Oft zeigen sich morphologische Veränderungen an der betreffenden Sehne, wie z.B. lokale Verdickungen oder Vaskularisierungstörungen.

Allerdings sind diese Veränderungen auch in asymptomatischen Personen auffindbar – die Korrelation zwischen Bildgebung und Schmerz ist also auch hier bestenfalls unklar. Es stellt sich jedoch die Frage, ob derartige morphologische Veränderungen prädiktive Aussagekraft über das Risiko haben, Schmerzen zu entwickeln.

Eine 09/2016 publizierte Meta-Analyse und systematisches Review von McAuliffe, McCreed, et al. wirft Licht auf diese Frage.

Eingeschlossen in die Datenanalyse wurden siebzehn Studien mit prospektivem Design, d.h. solche die auch Aussagen über Entwicklungen treffen können (davon zwölf in die Metaanalyse). Bis auf eine der siebzehn Studien wurden alle an Sportlern durchgeführt. Die Aussagekraft der Analyse für nicht-Sportler ist also nur begrenzt.

Es zeigt sich eine deutlich erhöhtes Tendinopathie-Risiko in bildgebend auffälligen Sehnen (21% wurden  zum follow-up symptomatisch), wohingegen unauffällige Sehnen ein deutlich reduziertes Schmerzrisiko haben (3%). Das gilt sowohl für Patellar- als auch für Achillessehnen!

Eine Studie konnte außerdem darstellen, dass speziell Neovaskularisierung das Risiko um den siebenfachen Faktor erhöht.

Risikopatienten auf diese Art identifizieren zu können bietet dann bei Sportlern großartige Möglichkeiten eine effektive Risikokontrolle umzusetzen. Diese müsste bestehen aus gelungenem Belastungsmanagement und/oder „prehab“ Belastungsprotkollen für die Sehne. Leider gibt es dazu kaum Untersuchungen.

Außerdem muss man sich die Frage stellen, ob es sich lohnt den durchaus starken Nocebo in Kauf zu nehmen, der dabei entstehen kann – also wie man so eine Untersuchung den Athleten kommuniziert. Und 20% sind zwar ein deutlich erhöhtes Risiko gegenüber den intakten Sehnen, allerdings ist es immernoch nur jede fünfte auffällige Sehne, die zum follow-up symptomatisch wurde.

Summa summarum kann man wohk sagen, dass auffällige Sehnenmorphologie zwar ein Risikofaktor ist, allerdings nur ein moderater. Relevanter scheint auch hier das Belastungsmanagement bzw. die Ratio von chronischer zu akuter Belastung zu sein.

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