Körperliche Aktivität und Rückenschmerz: Warum wir häufig scheitern?

Körperliche Aktivität und Rückenschmerz: Warum wir häufig scheitern?

Warum wir häufig darin scheitern, das volle Potenzial von körperlicher Aktivität für die Rückengesundheit freizusetzen?

Nach einem Editorial von O`Keeffe und Kollegen im „British Journal of Sports Medicine“ (2017)

1. Dissonante Empfehlung: Wir alle wissen um den Benefit von Bewegung und Aktivität. Sehr häufig sind unsere Botschaften aber dissonant. Wir sagen, Bewegung ist sicher und sinnvoll, weisen aber gleichzeitig darauf hin, dabei doch lieber auf den Schmerz zu „hören“ („Lassen sie sich vom Schmerz leiten“ = „schmerzkontingentes Pacing“) oder liefern implizit-versteckte Botschaften („Sie sollten nur auf weichem Untergrund laufen“ oder „Nur das sind die richtigen Übungen“), die die „Sicherheit“ der Bewegung wieder in Frage stellen. Und das, obwohl wir für die meisten dieser Empfehlungen keine ausreichende Evidenz haben.

2. Wir „verwässern“ häufig das Wichtige mit dem Unwichtigen, z.B. indem wir mit passiven Zusatzmaßnahmen unsere Therapiezeit verbringen, und so der „Fokus der Bedeutsamkeit“ des Patienten auf diese „Technik“ oder jenes Tape fällt. Selbst, wenn wir die Notwendigkeit von Bewegung betonen, „schließen wir häufig ein Fenster“ für Verhaltensänderung unter Supervision, wie z.B. Aktivierung. Wir sollten uns also fragen, ob unsere Botschaften schlüssig sind, ankommen, und warum wir eigentlich mit häufig unnützen und sogar kontraproduktiven, passiven „Gimmicks“ arbeiten.

3. Fokussierung auf die biologische Wirkung von Training. Rückenschmerz ist eine multidimensionales Geschehen, genauso multidimensional ist die Wirkung von Bewegung und Training. Traditionell werden sowohl in der Forschung, als auch in der Therapie die biologischen Komponenten betont (Kraft, Stabilität, Mobilität, usw.). Wir informieren zu wenig über ganz andere Aspekte, wie z.B. die Reduktion von Ängsten oder die stressreduzierende und stimmungsaufhellende Wirkung von körperlicher Aktivität und verpassen damit auch die Chance, das „Big Picture“ von Rückenschmerz und seiner Therapie aufzuzeigen.

4. Passend zu unserem Post gestern. Wir sind als Gesellschaft nicht wirklich gut darin, Menschen zu körperlicher Aktivität zu verhelfen. Trotz „Deutschland bewegt sich“ und reichhaltiger Präventionsangebote der Krankenkassen, ist die Zahl der aktiven Menschen in Deutschland und weltweit ernüchternd. Wir brauchen bessere Ansätze, die auf einer individuellen Basis die Barrieren, aber auch die „Verstärker“ (intrinsische Motivation, Zielsetzungen, „Abschirmung“, Spaß, individuelle Perspektive und Vorerfahrung) für Bewegung berücksichtigen und bei der konkreten Umsetzung helfen. Das inhaltlich beste Programm nützt wenig, wenn es nicht durchgeführt wird!

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