Langfristige Lösungen für das Rückenschmerzproblem?!

Langfristige Lösungen für das Rückenschmerzproblem?!

Paul F. Beattie, Professor für Physiotherapie an der University of South Carolina (USA) und Kollegen, gehen in einer aktuellen Publikation der Frage nach, worum Rückenschmerztherapie zwar häufig „gute“ Kurzzeit- aber schlechte Langzeiteffekte hat. Gerade ist eine aktuelle Statistik in JAMA veröffentlicht worden, die einen massiven Anstieg der Gesundheitsausgaben für Rücken- und Nackenschmerzen in den USA über die letzten 20 Jahre verdeutlicht. Von Lösung des Rückenschmerzproblems kann derzeit also keine Rede sein.

ruckenschmerz-entwicklung

Die Gründe dafür lassen sich für Beattie in einem Satz so zusammenfassen: Unser Management deckt sich nicht mit den Verläufen und den „Triggerfaktoren“ von Rückenschmerz.
Hier die Gründe im Einzelnen:

1. Traditionell werden Rückenschmerzen über kurze, intensive Behandlungsintervalle „angegangen“, z.B. 2 Rezepte über „6 x KG“, die über 6 Wochen „abgearbeitet“ werden.Rückenschmerzen unterliegen dagegen eher episodenhaften, rezidivierenden Verläufe. Therapie kann nur erfolgreich sein, wenn sie Kompetenzen für ein langfristiges Selbstmanagement vermittelt.

2. Wir unterscheiden schubladenhaft „akute“ von „chronischen“ Verläufen. Akutverläufen schreiben wir eine günstige Prognose zu, chronische Verläufe dagegen als eher schwer veränderbar. Die sog. Trajektorienforschung (Beobachtung von Verläufen im Längsschnitt) zeigt dagegen ein viel komplexeres Bild (Folie 1 zur Erklärung). In jedem Fall verlaufen Rückenschmerzen weitaus weniger „gutartig“ als früher angenommen wurde. Für Viele gilt: Einmal Rückenschmerzen immer – oder immer wieder – Rückenschmerzen.

3. Dank moderner Bildgebung wird immer deutlicher, dass viele neuroplastische, aber auch neuromuskuläre Veränderungen schwerwiegend und sicher nicht über unsere kurzen Behandlungsintervalle zu kompensieren sind.

4. Über die letzten Jahre hat sich unser Verständnis für die Bedeutung kognitiver und behavioraler Aspekte im Schmerzgeschehen enorm entwickelt. Screening (z.B. STarT Back) und Therapieansatz in dieser Richtung („EXPLAIN PAIN“) sind dagegen in der Praxis eher die Ausnahme.

Die Lösung sehen Beattie und Kollegen in einem Ansatz, den sie als „langfristig orientiertes Selbstmanagement-Programm“ bezeichnen (Folie 2 und 3). Rückenschmerz wird hier eher als permanentes Gesundheitsproblem gesehen, dem man nur durch Eigenkompetenzen des Patienten begegnen kann. Er reiht sich damit in den Kreis anderer chronischer Erkrankungen, wie z.B. Diabetes, ein. Auch hier kann ein Arzt alleine das Problem nicht lösen.

Nach einem initialen Ausschluss von „Red Flags“ und einem „Yellow Flag“-Assessment sollten  die Vermittlung von Selbstmanagement-Strategien, wie Übungen, selbstgewählte körperliche Aktivität, Edukation, Health-Coaching-Ansätze (Schlaf, Ernährung, usw.) im Mittelpunkt stehen. Der Physiotherapeut wird hier zum Coach, der vom Patienten bei Schwierigkeiten immer wieder konsultiert werden kann. Ein starke „therapeutische Allianz“ muss die Grundlage für die „gemeinsame Reise“ sein.

Zukunftsmusik, sicher! Aber aus unserer Sicht eine Alternativlose!

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