Medikation 2.0

Medikation 2.0

In der Forschung und vor allem in der Therapie gibt es von vielen Seiten ethische Bedenken über den Einsatz von Placebo-Behandlungen (z.B. link, link).

Damit könnte jetzt Schluss sein und zudem eine neue, nebenwirkungsfreie, fast kostenlose und verschreibungsfreie Waffe im Kampf gegen chronische Rückenschmerzen gefunden worden sein, sogenannte „Open Label Placebos (OLPs)“. Im Gegensatz zur klassischen Placebo-Anwendung wird hierbei mit „offenen Karten“ gespielt, d.h. der Therapeut oder Studienleiter versucht den Patienten nicht davon zu überzeugen, dass es sich um ein Medikament mit pharmakologischen Wirksubstanzen handelt. Die ersten Ergebnissse zu OLPs in der Therapie chronischer Rückenschmerzpatienten wurde gerade in „PAIN“ von Carvalho und Kollegen in einer „Hammer-Studie“ veröffentlicht, die einen nur ungläubig den Kopf schütteln lassen.

97 Rückenschmerzpatienten mit einer Schmerzdauer über 3 Monaten wurde dabei für 3 Wochen einer „Treatment As Usual, TAU“-Gruppen zugeteilt oder einer OLP-Gruppen (Flussdiagramm der Studie auf Folie 1). Beide Gruppen durften über den gesamten Studienzeitraum ihre Schmerzmedikamente weiter einnehmen (mit Ausnahme von Opiaten, das war ein Ausschluss-Kriterium). Fast 90% der Teilnehmer in beiden Gruppen „schluckten“ denn auch über den gesamten Untersuchungszeitraum periphere Analgetika, übereinstimmend mit den Empfehlungen vieler internationaler Behandlungsleitlinien.

Die Teilnehmer der OLP-Gruppe erhielten nach der Randomisierung eine einfache Aufklärung über den Placebo-Effekt (Folie 2 li.) und sahen ein kurzes Video. Danach wurde ihnen ein Pillenfläschchen übergeben, mit einer Aufschrift, die der auf Folie 2 re. entspricht.

Was denkt ihr nun, wird man nach 3 Wochen feststellen können? Kein Effekt, man hatte ihnen ja mitgeteilt, dass es sich um schwedische Orangen-Gelatine-Pillen handelt? Weit gefehlt (Folie 3):

Verbesserung im Bereich von Schmerz und Funktion, die im Bereich der Schwelle liegen, die man als klinisch relevante Verbesserung definiert (ca. 30%) und sich signifikant von den Ergebnissen der TAU-Teilnehmer unterscheiden, die ja – wie in der OLP-Gruppe auch – allesamt ihre Standard-Schmerzmedikation weiter eingenommen hatten.

Jetzt wird es aber fast noch „bunter“. 31 Teilnehmer der TAU-Gruppe machten jetzt ein „cross-over“, erhielten also für  für 3 Wochen das „Scheinpräparat“, wie zuvor die OLP-Gruppe. Schaut was passiert (Folie 4): Verbesserung im Bereich von 29-46%. Da legst di nieder!!!

Jetzt noch ein Aufruf in eigener Sache: Die original evidenzbasierten „Schwedischen Orangen-Gelatine-Pillen®“ gibt es übrigens demnächst in unserem neugegründeten Onlineshop zum Vorzugspreis für alle PMS-follower unter der Domain www.pms@pfitzer.kohle zu erwerben 😉

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