Metaflammation: Verbindung von Lebensstil, Psyche und Schmerz

Metaflammation: Verbindung von Lebensstil, Psyche und Schmerz

Unser Post über ein „antiinflammtorisches Training“ ist ja auf großes Interesse gestoßen (entzündungshemmend trainieren). Heute soll das biologische Konzept dahinter im Mittelpunkt stehen (Folie 1). Wenn man das „verinnerlicht“ hat, denn ergeben sich daraus fantastisch neue Wege in der Therapie.

Ihr alle kennt akute („heiße“) Entzündungen mit den klassischen Entzündungszeichen, die nach Verletzungen und Infektionen auftreten und für Heilungsvorgänge (Gewebeheilung, Beseitigung des infektiösen Agens) essenziell sind (Folie 2 li.).

Weit weniger bekannt ist allerdings die Bedeutung von subklinischen, „stummen“, „kalten“, chronischen Entzündungsreaktionen, die bei einer Vielzahl von nichtübertragbaren Erkrankungen und Schmerzzuständen eine entscheidende Rolle spielen (Folie 2 re.). Aufgrund ihrer Nähe zum metabolischen System sprich man hier von METAFLAMMATION (Egger 2012).

Im Gegensatz zur klassischen Entzündung sind die Entzündungsmarker hier nur leicht erhöht („low grade“, z. B. 4-6-fach im Verglich zu mehreren 100-fach). Die Effekte dieser Metaflammation sind systemisch und nicht lokal, ihre Antigene sind weniger „körperfremd“ und werden als „Inducers“ („Einleiter“) bezeichnet. Sie verlaufen eher chronisch, sich selbst unterhaltend, nicht sich selbst limitierend, wie bei akuten Entzündungsreaktionen. Die Stoffwechselrate ist hier dramatisch reduziert, nicht gesteigert, wie im akuten Fall.

Diese Metaflammation ist die Wurzel einer überwältigenden Zahl von nichtübertragbaren, lebensstilassoziierten Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depression, Typ 2-Diabetes, Metabolisches Syndrom, Arthrose, Chronischen Schmerzen, u.a. (Egger 2012, Gregor & Hotamisligil 2011, Debnaht & Sarkar 2016, Wales 2015, Naylor 2012, Hayes et al 2012).

Auch zentrale Sensibilisierungprozesse des nozizeptiven Systems und schmerzassoziierter Areale werden durch dieses proinflammatorische Milieu getriggert. Grund dafür sind die freigesetzten entzüdungsfördernden Zytokine (aus adipösem Gewebe, Immunzellen, Leber, Muskulatur, Gehirn, u.a.), wie z. B. IL-6, TNF-? (Naylor 2012, Hayes et al 2011).

Darüberhinaus gibt es einen direkten Einfluss der Metaflammation auf die Gewebegesundheit, z.B. Knorpelgeweben ( Folie 3 und Folie 4, aus Wulka et al 2013) und Bandscheibe (Risbud & M Shapiro 2014).  Arthrosen und Bandscheibendegenerationen verstehen wir häufig als biomechanische Prozesse, vergessen aber die massive biologische Komponente (Preston et al 2016).

Als „Inducer“ von Metaflammation kommen eine ganze Reihe von Lebensstil- und psychosozialer Faktor in Betracht (vgl. Folie 5).

Spannend wird es, wenn wir diese Theorie in unsere Praxis umsetzen. Dann ergibt sich quasi ein „Whole Person-Approach“ im Management von Schmerzpatienten (Folie 6).

Schmerz hört damit auf, ein lokales Problem zu sein und wir sind einmal mehr beim „BIG PICTURE“ der Therapie und der Frage:

Wie können wir das Milieu bei diesem Patienten in Richtung „Anti-Inflammation“ und damit Schmerzreduktion verschieben!!!!

An welchem dieser Hebel muss ich bei diesem Patienten ansetzen?

…Spannende Aufgabe, oder?

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