Moderne Schmerzedukation bei Rückenschmerzen

Moderne Schmerzedukation bei Rückenschmerzen

Warum bekommt die „first line care“ bei Rückenschmerze – zu der Edukation gehöhrt – kaum Aufmerksamkeit und worauf warten wir eigentlich?

Ein Editorial von Prof. L. Moseley

Erst vor kurzen wurde in LANCET zu einem Paradigmenwechsel in der Behandlung von Rückenschmerzen aufgerufen. Das ist sicher keine neue Forderung. Aber warum kriegen wir bzw. das gesamte System nicht die Kurve?

Moseley spricht von einer Schmerzrevolution, einem neuen, wissenschaftlich fundierten Verständnis von Schmerz (s. Slides), das eine Botschaft der Hoffnung für chronische Schmerzpatienten liefern könnte.

Nur, wer sollte diese so wichtige Aufklärung und Edukation an die geplagte Frau bzw. den geplagten Mann bringen?

Ärzte? Aus Moseleys Sicht zu teuer und in diesem Bereich nicht adäquat ausgebildet. Psychologen? Auch die sind teuer. Physiotherapeuten sollten in der Pole-Position stehen, aber es fehlt hier häufig der finanzielle Anreiz.

Ein Zitat von Moseley: „Es ist bemerkenswert, dass Physiotherapeuten immer noch für veraltete Behandlungen bezahlt werden können, während Physiotherapeuten, die auf der Höhe der Zeit arbeiten, z.B. keine (Schmerz-) Edukation erstattet bekommen.“

Zeit, dass nicht nur unsere Bezüge steigen, sondern dass wir auch für die Dinge gut bezahlt werden, die wirklich Sinn machen und der alte Krempel aussortiert wird.

 

  1. Der Rücken ist stark (d.h. er ist KEINE inhärent instabile Struktur!) und durch ein umfassendes Netzwerk von Gefahrenmeldern zudem hochgradig geschützt.
  2. Rückenschmerzen können selbst dann extrem schmerzhaft  sein, wenn KEINE Gewebeverletzung erkennbar ist.
  3. Gewebeheilung ist eine unaufhaltsame LebenskraftSchmerz bedeutet für unsere Gewebe einen schützender Puffer.
  4. Dieser – durch den Schmerz geschaffene protektive Puffer –  erhöht sich durch eine Vielzahl von Faktoren, wie z.B. Entzündungen, kognitive und soziale  Signale.
  5. Unser Schmerzsystem lernt im Laufe der Zeit, noch beschützender und protektiver zu werden.
  6. Die besten Möglichkeiten, ein überprotektives Schmerzsystem umzuschulen, sind etwas über Schmerz zu lernen, aktive Managementstrategien zu wählen und das schmerzhafte Gewebe durch Bewegung und Aktivität graduell zu belasten sowie die Anwendung psychologischer Therapien.

 

Quelle

 

Whole of community pain education for back pain. Why does first-line care get almost no attention and what exactly are we waiting for?

G Moseley – British Journal of Sports Medicine – 2019

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