Nervenmobilisation auf dem Prüfstand!!!

Nervenmobilisation auf dem Prüfstand!!!

Eine Meta-Analyse, auf die wir wirklich gewartet haben, ist vor weniger Tagen im „Clinical Journal of Pain“ von Su & Lim (2016) erschienen:

Neurale Mobilisation (NM, physiotherapeutisches Management von neuralem Gewebe) bei muskuloskelettalen Beschwerden, die mit Nervenaffektionen im weitesten Sinne einhergehen (z.B. Radikulopathien an HWS und LWS, Karpaltunnel-Syndrom, nicht-radikulärer, wirbelsäulenassoziierter Beinschmerz, Nacken- und Armschmerzen, die mit einer Nervenproblematik in Verbindung stehen).

NM wird im Rahmen vieler Behandlungskonzepte umfangreich eingesetzt, umso erstaunlicher, dass die Studienlage dazu doch viele Fragen offenlässt. Auch die Wirkmechanismen sind nicht endgültig geklärt und gehen von der Verbesserung peripherer Prozesse (Reduktion von Adhäsionen, Verbesserung des Axoplasma-Flusses, Dispersion noxischer Substanzen und Reduktion intraneuraler Ödeme) bis hin zur Beeinflussung des ZNS (deszendierende nozizeptive Inhibition, u.a.).

Die Autoren inkludierten 20 Studien (Folie 1) mit ganz unterschiedlichen Diagnosen und sehr heterogenen Behandlungsprotokollen für das „Neurale Management“

(z.B. Behandlungsdauer von 1 Einheit bis zu einer Therapie über 8 Wochen, mit ganz unterschiedlichen Techniken, wie „neurodynamische Techniken an der oberen Extremität“ in 6 Studien „Slump Stretch“ in 4 Studien, „Lateralgleiten der HWS“ in  3 Studien, „Mobilisation mit SLR“ (3 Studien) und „Dorsal-Plantarflexion im OSG unter Traktion“ (1 Studie) und darüber hinaus Studien, in der die exakten Techniken nicht angegeben wurden).

Als vergleichende Subgruppen wurden „minimale Intervention“ und „andere Formen der Intervention“ definiert. Die Ergebnisse seht ihr auf Folie 2.

Eine entscheidende Frage bleibt allerdings ungeklärt, das ist den Autoren aber durchaus bewusst: Wer profitiert eigentlich am ehesten von einer neuralen Mobilisation? Wären die Effekte stärker und spezifischer, wenn man die Einschlusskriterien besser formulieren könnte.

Responder-Kriterien sind allerdings selten validiert (Nee et al 2013) für nervenbedingen Arm- und Nackenschmerz). Schäfer et al (2011) liefern dafür wertvolle Hinweise. Ein Neurale Mobilisation war bei den Patienten erfolgreicher, die keine Denervierungs-Zeichen und keine neuropathische Schmerzkomponente hatten, aber eine höhere Mechanosensitivität (Neurale Gegenspannung) bei Nervenprovokations-Tests aufwiesen (Gruppe der „peripheren Nervensensibilisierung“, Folie 3 und 4). Zudem müssen bessere Parameter dafür entwickelt werden, wann bzw. für wen eine Nervenmobilisation kontraproduktiv ist. Auch dafür liefern die Daten Hinweise, ohne dass man diese Frage heute endgültig beantworten könnte.

Klassisch neuropathische Schmerzen (mit strukturellen Schädigungen im somatosensorischen System, z.B. bei nicht mehr intaktem Axon,  Efstathio et al 2014, Zusman 2008) und hoher Irritierbarkeit scheinen, insbesondere bei der Verwendung von aggressiven Techniken mit hoher intraneuraler Spannungsentwicklung, (Beltran-Alacreu et al 2015, Tensioner im Gegensatz zu Slidern, Beispiele auf Folie 1 re.) ein solcher Kandidat zu sein. Aber hier gibt es noch viel Forschungsbedarf!!!

Loader Wird geladen...
EAD-Logo Es dauert zu lange?
Neu laden Dokument neu laden
| Öffnen In neuem Tab öffnen

 

TO TOP
error: Content is protected !!
X