Neuro-Immun-System

Neuro-Immun-System

ExplainPain – Das Neuro-Immun-System

Die „neue Welt der Synapsen“ und ihre Bedeutung für die Therapie….

Die meisten von uns haben (vermutlich) folgende Vorstellung von einer Synapse:

Präsynaptisches Neuron trifft über einen synaptischen Spalt auf postsynaptisches Neuron.

Was in dieser Betrachtung allerdings fehlt sind Gliazellen, also nicht-neuronale Zellen, deren Anzahl die der Nervenzellen im ZNS um den Faktor 10 übersteigt und die man ursprünglich als eine Art „Kitt“ im Nervensystem betrachtet hat (vgl. 1. Slide)

Mittlerweise ist gesichert, dass Synapsen ohne diese IMMUNZELLEN quasi „Schrott“ sind, weil diese Zellen – darunter Microglia, Astrozyten und Oligodendrozyten – für die Homöostase der Synapsen essentiell sind und zusammen mit den Nervenzellen als komplexes „Neuro-Immunsystem“ interagieren (2. Slide).

Auf der Oberfläche dieser Gliazellen befinden sich Rezeptoren, z.B. ein Rezeptortyp namens „„Toll-like-Rezeptor 4“ (TLR-4, s. 3. Slide), der einer Überwachungskamera ähnelt (etwa 20 verschiedene Arten dieser TLRs  sind derzeit übrigens bekannt, Nicotra et al.( 2012) (Folie 2).

Der Name Toll-like-Rezeptor ist von einem Protein bei Drosophila melanogaster (der Fruchtliege) abgeleitet, über dessen Entdeckung die Forschungsgruppe um die Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard derart begeistert war, dass sie es humorvoll nach dem deutschen Ausdruck „toll“ nannte. TLRs bestehen aus Proteinen, die „Toll ähneln“, also toll-like sind.

TLRs reagieren auf molekulare Muster in Verbindung mit pathologischen Prozessen (Schäden = „danger associated molecular pattern“ (DAMPs), Fremdartigkeit = „xenobiotic-associated molecular patterns“ (XAMPs), pathogenen Substanzen = „pathogen associated molecules pattern“ (PAMPs) und – im Moment zugegeben noch etwas spekulativ – Kognitionen = „cognition associated molecular pattern (KAMPs) bzw. Verhaltensmusters (VAMPs).

Dieser TLR-4 hat darüber hinaus eine erstaunliche „Gedächtnisfunktion“. Er beginnt – einmal aktiviert – auf ähnliche Reizkonstellation zu reagieren.

Bei einer Aktivierung der Gliazellen reagieren sie mit einer verstärkten Freisetzung von pro-inflammatorischen Stoffen in der Synapse, wodurch ihre Effizienz, z.B. für die nozizeptive Übertragung zunimmt (drei- bzw. vierteilige Synapse). Das Immunsystem wird also synchron zum Nervensystem sensibilisiert, der Schwellenwert für eine inflammatorische und neurale Antwort wird damit reduziert (Folie 3).

Und jetzt kommt das fast noch erstaunlichere: Das passiert nicht nur in der jeweiligen Synapse, sondern kann sich über weite Wege („volume transmission“) auf andere Synapsen im Nervensystem auswirken.

Was bedeutet das jetzt für die Therapie?

Kognitive, verhaltensorientierte Faktoren können mit anderen biologischen Variablen (z.B. systemischen Entzündungsprozessen durch ungünstige Lebensstilfaktoren) das Neuro-Immunsystem sensibilisieren und damit Symptome, wie Schmerz, Schwellung und andere Faktoren (z.B. die mentale Gesundheit) wesentlich beeinflussen!

Diagnose: „Dickeres Knie durch maladaptive Kognitionen („KAMPs“)?

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