Offenes System: Weniger Dogma, mehr Biomechanik

Offenes System: Weniger Dogma, mehr Biomechanik

Ein Training im „offenen System“ wird von Vertretern des „Funktionellen Trainings“ häufig als unfunktionell gebrandtmarkt. Ein Beispiel gefällig, der amerikanischer Fitness-Guru, Michael Boyle (2013) in „Functional Training“:

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Die Irrungen und Wirrungen im Verständnis dieses Konzeptes begannen wohl bereits 1955 als Arthur Steindler die Begriffe „offene und geschlossene kinetische Systeme“ in die Bewegungswissenschaft einführte:

Fuß hat keinen Kontakt zum Boden = offenes System

Fuß trifft auf Widerstand, z. B. Boden = geschlossenes System

Diese Einteilung war eine fatale Trivialisierung von Bewegungen. Sie ist eher ein theoretisches Konstrukt mit enger und unklarer Definition als ein Grundkonzept der Funktionalität.

Current Open and Closed Kinetic Chain Concepts-Clarifying or Confusing

Sinnvoller als eine kinematische Betrachtung, also ober der Fuß Kontakt zum Boden hat oder nicht, ist ein kinetische Analyse der Bewegungsanforderung, wie sie die Kraft-Vektoren-Theorie von Contreras und Kollegen vornimmt, und die für die Verbesserung der Hüftextension (Kraft des Glutaeus max. Contreras et al 2015 und Sprintleistung bereits verifiziert wurde).

Diese Kraft-Vektoren-Theorie berücksichtigt die Wirkungslinie der externen Kräfte, die auf den Körper durch seine Interaktion mit der Umwelt einwirken. Die Übereinstimmung der Kraftvektoren ist dann kennzeichnend für eine potenziell hohe Transferstärke von der Trainingsbewegung auf die Zielbewegung.

Was verspricht also nach dieser Theorie bei einer Abbremsbewegung – wie sie im Alltag und bei vielen Sportarten häufig vorkommt – einen hohen Transfereffekt?

 Das Training im „geschlossenen System“ (Einbein-Kniebeuge) mit Bodenkontakt des Fußes?

oder

Das Training am Kniestrecker im „offenen System“?

Schaut euch die Folien zur Erklärung an:

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Die Betonung beider Kraftkomponenten, vertikal (Einbein-Squat) und horizontal (Kniestrecker), verspricht nach der Kraft-Vektoren-Theorie die höchste Transferstärke auf klassische Anforderungen im Alltag, wie z. B. hier der Abstopp-Bewegung

…was sich mit den Ergebnissen zahlreicher Untersuchungen deckt, die einen funktionellen Vorteil für die Kombination beider Trainingsformen in der Rehabilitation beschreiben (Mikkelsen et al 2000, Tagesson et al 2007) und die aufzeigen, wie funktionell bedeutend, Messungen der „isolierten Quadrizepskraft“ tatsächlich sind (Lepley & Palmieri-Smith 2015, u.a.).

Also: Eher biomechanisch als dogmatisch denken. Und sich von „Ergebnissen und Daten“ leiten lassen:

Die Wahrheit des „Funktionellen Trainings“ liegt einmal mehr auf dem Platz“ und nicht bei selbsternannten GURUS 😉

 

 

 

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