Pathologien der proximalen Ischiocruralen Gruppe in asymptomatischen Patienten im MRT.

Der proximale Ischicrurale Komplex (PHC) gerät zunehmend in den Blick der modernen orthopädischen Medizin. Die Sehnenansätze weisen häufiger Pathologien auf als vor einigen Jahren angenommen und werden zunehmend für ischiasartige Schmerzen verantwortlich gemacht. Eine (Teil-)Ruptur des Komplexes kann zu Komplikationen wie bspw. Verklebungen mit dem N. Ischiadicus führen. Diese können und sollten operativ behandelt werden.

Zu den typischen klinischen Zeichen gehören: Ischiasartige Schmerzen, Schmerzen beim Sitzen, Treppe gehen und Schwierigkeiten Auto zu fahren.

Allerdings wird zur Diagnostik nach wie vor überwiegend eine MRT-Untersuchung verwendet. Es ist jedoch unklar, wie stark die Korrelation zwischen abnormalen MRT-Befunden und tatsächlichen Beschwerden ist (Ähnlich der Rotatorenmanschette, bei der mittlerweile gut belegt ist, dass die Korrelation zwischen radiologischen Abnormalitäten und Symptomatik relativ gering ist).

Thompson et al. haben daher die MRT-Bilder von 253 asymptomatischen Patienten retrospektiv auf Pathologien des PHC ausgewertet. Alle Patienten hatten am Krankenhaus zwischen 2009 und 2010 MRT-Bilder der Becken-Hüftregion bekommen, allerdings ohne eine Ischio-Verletzung oder Beschwerden in dem Bereich anzugeben.

Von den 253 ausgewerteten Patienten hatten lediglich 35% keine Abnormalitäten im PHC. Dafür hatten 13% unilaterale Pathologien und sogar 53% bilaterale Degenerationen und (Teil-)Rupturen.

Es zeigt sich also, dass Pathologien des PHC einerseits zwar deutlich häufiger sind als früher angenommen, andererseits aber ähnlich der Rotatorenmanschette kaum Zusammenhang zwischen dem MRT-Bild allein und der kinischen Symptomatik des Patienten besteht.

[embeddoc url=“https://physiomeetsscience.com/wp-content/uploads/2016/08/hamstrings.pdf“ download=“all“]