Wie beruhigt man Patienten mit unspezifischen Diagnosen?

Wie beruhigt man Patienten mit unspezifischen Diagnosen?

Zusammenfassung einer Masterclass von Adrian Traeger (Fulltext auf Resarch Gate) zum PICKUP Tool. Eine kleine Anmerkung vorweg: Auch wenn das PICKUP-Tool vom Ansatz her toll ist, ist es lediglich für Australien validiert. Das ist auf Grund der Frage nach Rente/Kompensation wichtig. In Australien unterscheidet sich das Gesundheitssystem deutlich von unserem, daher kann man die Verwendbarkeit des Tools nicht zu 100% auf Deutschland übertragen. Der Ansatz bleibt aber trotzdem spannend, insb. mit der Risikoauswertung, grafischen Darstellung und Behandlungs-/Prognoseempfehlungen.

Beruhigung für verunsicherte Patienten ist eine wichtige Komponente moderner Therapiesettings. Wir müssen beratend und edukativ tätig sein und die Patienten über ihre Erkrankung aufklären. Das kann Therapeuten aber vor deutliche Hürden stellen, besonders dann wenn der Patient an einem unspezifischen Krankheitsbild leidet, gleichzeitig aber sehr spezifische Vorstellungen oder Ängste hat. Unspezifizität wird schnell als Unsicherheit oder Inkompetenz wahrgenommen, eine Position in der man als Praktiker natürlich nicht sein will.

Aus Patientensicht scheint es noch dazu so, dass vor allem prognostische und diagnostische Einschätzung gewünscht sind und nicht allgemeine positiv Botschaften und beruhigende Floskeln. Bisweilen können unsere gutgemeinten Beruhigungsversuche Patienten sogar noch mehr verunsichern!

Reassurance for patients with non-specific conditions – a user’s guide (PDF Download Available). Available from: https://www.researchgate.net/publication/313781169_Reassurance_for_patients_with_non-specific_conditions_-_a_user%27s_guide [accessed Apr 16, 2017]
Dennoch: Im Sinne des Avoidance-Endurance Modells ist Angstreduktion, sprich: Beruhigung, unumgänglich. Was haben wir also Techniken?

Negative Diagnostik: Diagnostische Tests durchzuführen um ernste Pathologien auszuschließen wird als beruhigende Maßnahme betrachtet. Wie wir aber von Bildgebung wissen, kann das auch ganz schön nach hinten losgehen und selbst die Absenz von einer klaren Pathologie kann als bedrohlich wahrgenommen werden.

Edukation: „Kognitive Beruhigung“, sprich Neurophysiologische Schmerzedukation, Krankheitswissen, kann Ängste und Unsicherheit reduzieren, wenn sie richtig angewendet wird. Umgekehrt kann biomechanische Edukation Ängste auch verstärken. Es gibt keine Evidenz dafür, dass „Affektive Beruhigung“ (Patient-Therapeut Bindung, Empathie) Ängste reduziert.

Die Effektstärken von NPE können verbessert werden, indem sie subgruppengerecht angewendet werden. D.h. v.a. Patienten mit hohem Chronifizierungsrisiko brauchen maßgeschneiderte Edukationsmaßnahmen. In Australien ist das treffsicherste Tool zur Subgruppenbildung das o.g. PICKUP-Tool.

Patientenzentrierung: Idealer Weise erfolgt eine gute Beruhigungsmaßnahme nach einem ausführlichen Assessment des Patienten. Dadurch kann die Intervention direkt auf die Sorgen und Fragen des Patienten zugeschneidert sein und liefert viele Argumentations- und Aufhängungspunkt.

Kommunikation: Eine empathische, klientenzentrierte Gesprächsführung ist für eine erfolgreiche Intervention unumgänglich. Therapeuten sollten in diesem Bereich besser ausgebildet sein um größere Glaubwürdigkeit und eine bessere Beziehung zum Patienten aufzubauen.

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