PUSH-UP gegen Rückenschmerzen

PUSH-UP gegen Rückenschmerzen

Das ist eine ganz wichtige Studie, die da vor wenigen Tagen in „SPINE“ erschienen ist. Kolu und Kollegen haben in einem Kollektiv von 216 Krankenschwestern mit Rückenschmerzen die Auswirkungen von körperlicher Aktivität, neuromuskulärer und kardiorespiratorischer Fitness auf die rückenschmerzassoziierten Folgekosten untersucht. Darunter fallen „direkte“ Kosten, wie die Ausgaben für therapeutische Maßnahmen und „indirekte“ Kosten, also finanzielle Einbußen durch Produktionsausfälle am Arbeitsplatz.

In Deutschland gehen die aktuellsten Zahlen von Wenig et al (2009) von Gesamtkosten in Höhe von 48,9 Milliarden € aus, wobei die indirekten Kosten höher als die direkten Kosten sind und sich in der Summe auf 2,2 % des Bruttoinlandproduktes, sprich der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands belaufen.

Kolu et al ermittelten die Gesundheitskosten für das zurückliegende Halbjahr. Messungen der muskulären Fitness (Anzahl der modifizierten Push-ups), der kardiorespiratorischen Leistungsfähigkeit (zurückgelegte Strecke im 6 min. Geh-test) und der körperlichen Aktivität (Fragebögen, Beschleunigungsmessung) dienten als unabhängige Variablen.

Die Ergebnisse sind beeindruckend (Folie1-3). Die Gesamtkosten waren in der Gruppe der aktiven (nach den Kriterien der WHO) Krankenschwestern 80,5% geringer. Frauen im oberen Drittel der muskulären Fitness produzierten 84% weniger Kosten als muskulär schwache Teilnehmerinnen im unteren Drittel. Vergleichbares ergab sich für das obere Drittel im Geh-test mit 77% geringeren Kosten, die mit Rückenschmerzen in Verbindung gebracht werden konnten.

FAZIT: Eine gute neuromuskuläre und aerobe Fitness, sowie eine ausreichende körperliche Aktivität reduzieren in erheblichem Umfang rückenschmerzassoziierte Folgekosten und Krankheitstage.

Das auf breiter Basis zu erreichen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und nicht für „kleines Geld“ zu haben. Training und Bewegung nutzen wie jedes Medikament nur, wenn sie regelmäßig „eingenommen“ werden. Und gerade hier versagen alle Präventionsbemühungen von AOK, Barmer, TKK & Co. Allokations- und Adhärenz-Probleme werden nicht berücksichtigt. Die Rückenschulen erreichen nicht die „hard-to-reach“-Gruppen (Risikogruppen), sondern die, die es am wenigsten benötigen: Die sportlich motivierten Dame mittleren Alters, die zwischen der morgendlichen Jogging-Runde und dem abendlichen Besuch des Fitness-Studios noch Zeit für einen AOK-Rückenschulkurs finden. Wir brauchen neue verhaltensorientierte Bewegungsprogramme am Arbeitsplatz, durchgeführt und langfristig „gecoacht“ von Bewegungstherapeuten, die die Theorie und Praxis von Maßnahmen zur Verhaltensänderung verstehen, wie es der „Deutsche Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie“ (DVGS) seit langem fordert (vgl. Folie 5 und 6, nach Cochrane Review von Jordan).

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