RCT: Myofascial  Release  bei chronischem Rückenschmerz

RCT: Myofascial Release bei chronischem Rückenschmerz

Soeben wurde in der renommierten Fachzeitschrift „SPINE“ eine randomisierte, kontrollierte Studie zum „Myofascial Release“ bei chronischen Rückenschmerzpatienten veröffentlicht, die sich erstmals in isolierter Form mit der Wirkung dieser Therapie beschäftigt. Bislang wurden die myofaszialen Techniken immer in Behandlungskombinationen (z. B. in Verbindung mit manualtherapeutischen Manipulationen) untersucht, so dass ihre isolierte Wirkung schwer zu quantifizieren war.

Dazu teilen Arguisuelas und Kollegen (2016) je 27 chronische Rückenschmerzpatienten einer myofaszialen Behandlungsgruppe (MFT) und eine Kontrollgruppe zu, bei der eine „myofaszialen Scheinbehandlung“ (Sham) zum Einsatz kam.

Das Behandlungsprotokoll der MFT-Gruppe seht ihr auf der ersten Folie.  Die Scheinbehandlung bestand aus bloßen Handkontakt des Therapeuten an den entsprechenden Arealen, an denen auch die MFT-Techniken appliziert wurden. Beide Behandlungen wurden vom selben Therapeuten durchgeführt.

Die Ergebnisse seht ihr auf der 2. Folie:

Auf der visuellen Schmerzskala zeigte sich weder nach 2 Wochen noch nach der 12. Woche ein signifikanter Unterschied. Allerdings waren die Ergebnisse einer anderen Schmerz-Skala, der „Short-Form McGill PAIN Questionnaire“ (Folie 3), statistisch schwach signifikant unterschiedlich. Hier zeigte nach 12 Wochen die MFT-Gruppe ein besseres Ergebnis. Der Gruppenunterschied war klinisch relevant, allerdings umfasste das Konfidenzintervall die „minimal klinisch relevante Differenz“ (MCID). Übersetzt bedeutet das, dass sich die Autoren nicht sicher sind, ob der Unterschied tatsächlich auch klinisch relevant ist.

Analoge Resultate gab es für den Bereich der Funktionsfähigkeit („Roland and Morris Disability Questionnaire“). Auch hier nach 12 Wochen einen schwach signifikanten Vorteil für die MFT-Gruppe, auch hier waren die Ergebnisse im Bereich der klinischen Relevanz, aber auch hier mit „Fragezeichen“ durch das Konfidenzintervall in Bezug zur MCID.

…Wissenschaft ist manchmal ganz schön spröde, oder 😉

Die FABs, also die Bewegungsängste, waren zu beiden Zeitpunkten (2 Wochen und 12 Wochen) statistisch in der MFT-Gruppe besser, ohne allerdings die Grenze zur klinischen Relevanz zu überschreiten, sprich klinisch nicht relevant.

Was heißt das Ganze jetzt für unseren Alltag?

Es gibt durch MFT nachweisbare Effekte, die statistisch gegenüber einer Placebo-Behandlung darstellbar sind.

Ob die Differenz für die klinische Situation des Pateinten auch eine Rolle spielt, ist noch nicht eindeutig zu beantworten.

Hierzu bedarf es größerer Studien und vor allem einem deutlich längeren Nachuntersuchungs-zeitraum. Was die Studie leider zu wenig berücksichtigt hat – dessen sind sich die Autoren auch durchaus bewusst – ist, ob das Placebo für die Patienten auch glaubwürdig war (was würdet ihr über bloßes „Handauflegen“ denken?) und, ob der Therapeut vom Wirkungspotenzial der Placebo-Behandlung ähnlich überzeugt war wie von der MFT-Behandlung (vgl. unseren Post hier Placebos  und Notwendigkeit methodisch „sauberer“ Placebos in der osteopathischen Medizin Methodik)

In jedem Fall scheint die Behandlung nicht die magische Lösung zu sein – was ja hoffentlich auch niemand hier erwartet hat –  dafür sind die Effekte zu gering. Möglich, dass eine höhere Behandlungsanzahl zu größeren Effekten geführt hätte. Was davon allerdings gegenüber einem besseren Placebo übriggeblieben wäre, ist eine offene Frage.

Also, man darf gespannt sein, wohin die Reise weitergeht. Ein erster Schritt ist getan …

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