Resilienz und Schmerz

Resilienz und Schmerz

Resilienz und Schmerz

 

Klassischerweise steht ein Großteil unserer alltäglichen Befundung und Therapie unter einem defizitorientieren Paradigma: Wir erfassen z.B. Einschränkungen im Bereich Mobilität oder der motorischen Kontrolle (z.B. einen Knie-Valgus) oder Risikofaktoren für ungünstige Verläufe im psychosozialen Bereich (yellow flags). Um die Brücke zur gegenwärtigen COVID-19 Pandemie zu schlagen, könnte man sagen, wir erfassen sowas wie die „viruelle Last“ für Schmerz.

 

Was wir weit weniger im Blick haben, sind die Faktoren, die Menschen resilient gegen Schmerzen und Funktionsverluste machen, also – um im Bild zu bleiben – die Kapazität des „Immunsystems“ unserer Patienten (Slide 1).

Wenn jemand also z.B. unter Schmerzen leidet, dann geht es nicht immer darum, „pathologische“ Faktoren zu finden und zu beseitigen, sondern genauso darum, Resilienzfaktoren zu finden und diese evtl. weiter zu entwickeln (Slide 2 und 3).

 

Louis Gifford (2005) spricht hier z.B. von „pink flags bzw.  „green flags“. Für die Therapie ist das ein interessanter Ansatz: Auch wenn wir Schmerztreiber wie Schlafmangel (z.B. bei einer jungen Mutter) oder Stress (z.B. bei einem Studenten während des Examens) nicht immer beeinflussen können, so können wir doch die vorhandenen Resilienzfaktoren weiter verstärken.

Auch physisch müssen wir nicht immer dafür sorgen, „vermeintliche“ Dysfunktionen zu beseitigen. Die Frage von Greg Lehman trifft das sehr schön! „Why i put strength on dysfunction?“

Warum geht es hierbei? Lehman spricht davon, dass wir durch eine systematische Steigerung der Belastbarkeit (movement preparation) Adaptationsvorgänge auslösen und Schmerzen reduzieren können, ohne dass eine Korrektur der pathologischen Bewegungen (z.B. Knievalgus) stattfinden muss. Auch hier geht es oft um den Aufbau von Resilienz anstelle einer Reduktion der Pathomechanik (Rabelo et al. 2018, Dye 2005, Smith et al. 2019).

 

In diesem Sinne….“wave the pink flag“ und bleibt gesund!

 

Resilienz und Schmerz

1.Resilienz bezieht sich auf die psychische und physische Widerstandsfähigkeit eines Menschen.

 

2.Resilienz wirkt wie ein „psychologisches und physiologisches Immunsystem“, das hilft, Krisen durchzustehen oder sogar gestärkt daraus hervorzugehen.

 

3.Resiliente Menschen reagieren unempfindlicher auf psychische Belastungen, wie Stress oder Frust und handeln flexibler in schwierigen und sich ändernden Situationen.

 

4.Resilienz umfasst die Bereitschaft, sich aversiven Situationen auszusetzen und die Fähigkeit, sich positiv an diese aversive Situation anzupassen (Cicchetti &  Becker 2000; Masten 2001; Schoon 2006).

 

5.Resilient zu sein bedeutet, sich Veränderungen und Fluktuationen des körperlichen Wohlbefindens bzw. der Gesundheit anzupassen, sie anzunehmen, um das aufrechtzuerhalten, was im eigenen Leben zählt (Ziel- und Werteorientierung) und für ein positives Selbstbild wichtig ist (Wiles et al 2012, Richardson et al 2014).

 

6.Resilienz ist in physiologischer und psychologischer Hinsicht trainierbar.

 

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