„Schieb` die Knie auf keinen Fall über die Zehen bei der Kniebeuge!“:  Biomechanisches Wissen gegen Mythos!

„Schieb` die Knie auf keinen Fall über die Zehen bei der Kniebeuge!“: Biomechanisches Wissen gegen Mythos!

Größerer Hüftflexionswinkel im restringierten Squat ( RS) gegenüber dem unregistrierten Squat ( URS ). Stärkere Vorneigung des Oberkörper (größere Hüftflexion), um die Kraftwirkungslinie in der Standfläche zu halten.
Größerer Hebelarm (LHG ) im RS auf das Hüftgelenk. Durch die stärkere Vorneigung des Oberkörpers kommt es zu einer Verschiebung der Kraftwirkungslinie nach ventral und somit zu einer Vergrößerung des Hebelarmes der Last, was bei gleichbleibender Last zu einer Vergrößerung des auf das Gelenk wirkenden Drehmoments führt.

Größerer Hebelarm (LWS ) im RS auf die Lendenwirbelsäule. Durch die Vorneigung des Oberkörpers und die Verschiebung der Kraftwirkungslinievergrößert sich auch der Hebelarm der Last auf die untere Wirbelsäule (z.B. für L4 L5 skizziert).

Kürzerer Hebelarm (LKG ) im RS auf das Kniegelenk. Die Verschiebung der Kraftwirkungslinie nach ventral verkleinert den Hebelarm der Last auf das Kniegelenk und führt somit zu einer Verringerung des Drehmoments im Vergleich zum URS . Kleinere Dorsalflexion im Sprunggelenk im RS Das Vorschieben des Kniegelenkes führt zu einer stärkeren Dorsalextension des Sprunggelenks.

 

„Eine generelle Behauptung, die Knie dürften beim Squat nicht vor die Fußspitzen geführt werden, ist aus biomechanischer Sichtweise nicht zu akzeptieren!“

 

Konsequenz für die Praxis

Die Gelenkbelastungen zwischen RS und URS unterscheiden sich. Dies muss bei der Diskussion betrachtet werden. Pauschalaussage n
darüber, ob eine der Übungsvarianten gut oder schlecht ist, sind unsinnig.
Es stellt sich die Frage: Wofür lohnt es sich im RS oder im URS zu trainieren?

Ausgang der biomechanischen Betrachtung ist der Verlauf der Kraftwirkunglinie in der Saggitalebene. Über diese wird der Hebel arm der
Gewichtskraft und das Drehmoment definiert, das auf die Gelenke wirkt.

Eine verminderte Beweglichkeit im RS muss mit Hilfe der Hüftgelenke und der Wirbelsäule kompensiert werden. Das Ergebnis davo n s ind
höhere Drehmomente in den anderen Gelenksystemen (Hüfte und LWS).

Im RS ist das Drehmoment und somit die Kniebelastung niedriger als im URS. Durch die nötige Kompensation in Hüftgelenk und LW S k ann
von einem Kontinuum ausgegangen werden, bei welchem sich Knie und Hüftbelastung gegenläufig verhalten.

Gemessene Drehmomente lassen keine Aussage darüber zu, wie Druck –, Zug –, Schub –/Scher oder Biegespannungen auf das Gelenk
wirken. Diese Kräfte sind nicht mit einer Gelenksschädigung gleichzusetzen.

Ein höheres Drehmoment geht vielmehr durch die höhere Anforderung an die Muskulatur mit einem höheren Trainingseffekt einher.

 

Fazit
Ob der Therapeut nun den Vorschub der Kniegelenke beim Squat auf die Höhe der Fußspitzen limitiert oder nicht, hängt von
diversen Betrachtungen und insbesondere von einem evtl. vorliegenden Schaden ab. Eine generelle Behauptung, die Knie dürften
beim Squat nicht vor die Fußspitzen geführt werden, ist aus biomechanischer Sichtweise nicht zu akzeptieren.

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