Schmerzhemmung durch MT bei Kniearthrose

Schmerzhemmung durch MT bei Kniearthrose

Eine Reihe von Experten ist der Meinung, dass eine Kombination von „hands on“ und „hands off“ gerade bei Patienten angezeigt ist,  die eine reduzierte endogene (köpereigene) Fähigkeit zur Modulation von nozizeptiven Signalen besitzen (Puentedura & Flinn 2016, Girbes et al 2014).

Als Gründe dafür werden häufig die mittlerweile recht gut untersuchten Wirkmechanismen der Manuellen Therapie genannt. Hier zeigt sich eine klare Dominanz neurobiologischer Erklärungsmodelle mit einer Beeinflussung des nozizeptiven Systems (vgl. die Mechanismen einer spinalen Mobilisation auf den Folien 1-4).

Courtney und Kollegen (2016), „JOSPT“ haben erstmals versucht, diesen Ansatz in der Therapie  zu verifizieren. Dazu haben sie den Einfluss einer manuellen Mobilisation des Kniegelenkes im Vergleich zu einer Placebo-Anwendung (leichte Berührung) auf die „konditionierte Schmerzmodulation“ (CPM) von Patienten mit Kniegelenksarthrose  und dysfunktionaler CPM überprüft.

Bei einer intakten CPM führt die Applikation eines schmerzhaften Reizes an einer Stelle, die von der primären Schmerzstelle entfernt ist, zu einer Reduktion des Schmerzes an der primären Schmerzstelle (z.B. am Kniegelenk). Die CPM ist damit messbar über das Ausmaß, indem ein konditionierter Stimulus (z.B. Druckschmerz durch eine Blutdruckmanschette am Oberarm, wie in dieser Studie) die Schmerzstärke am „Hauptschmerz“ beeinflusst!!! (Folie 5)

Wie kommt die CPM zustande?

Über deszendierende (absteigende) Inhibitionsmechanismen aus dem „zentralen Höhlengrau“, Teilen der „Medulla“ bzw. der „Formatio Retikularis“, die auf Rückenmarksebene quasi das „Tor“ für nozizeptive Signale (Gefahrensignale) schließen (Folie 6 und 7).

Die CPM ist charakteristisch bei einer zentralen Sensibilisierung reduziert, wie es bei etwas 20-25% der Arthrotiker der Fall ist.

Eine „dysfunktionale CPM“ wurde in dieser Studie bei den Patienten definiert, die durch den konditionierten Reiz keine Schmerzreduktion oder gar eine Schmerzzunahme erfuhren. Es wurden also nur Patienten eingeschlossen, die hier ein dokumentierbares Defizit zeigten.

Danach wurde entweder die reale Mobilisation des Kniegelenks (oszillierendes Vor-und Rückgleiten der Tibia) oder der bloße Hautkontakt (Placebo)  appliziert (2 x 3 min mit einer Pause von 30 sec).

Die kurzfristigen Ergebnisse, d.h. direkt nach der Mobilisation, seht ihr auf der Folie 8.

Auch das Vibrationsempfinden war am betroffenen Kniegelenk durch die Gelenkmobilisation verbessert (Steigerung der vibrotaktilen Sensibilität am betroffenen Kniegelenk)

FAZIT:

Gelenkmobilisation verbessert die CPM bei Gonarthrotikern mit reduzierter Schmerzmodulation, so dass sich die „lokale und generelle Druckschmerzsensibilität“ reduziert.

Zudem verbessert sich das somatosensorische Empfinden am Kniegelenk.

Konsequenzen für die Praxis nach Einschätzung der Autoren:

“Joint mobilization may be a useful intervention for rehabilitation of painful knee OA through enhancement of descending pain mechanisms.”

Demnach könnte eine Mobilisation ein probates Mittel sein, um die Schmerzmodulation bei Arthrotikern mit einer Dysfunktion in diesem Bereich zu verbessern und somit die Teilnahme an nachfolgenden, aktiven Therapieeinheiten optimal vorzubereiten.

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