SIMPLE TIPS, um die Adhärenz in der muskuloskelettalen Physiotherapie zu verbessern!

SIMPLE TIPS, um die Adhärenz in der muskuloskelettalen Physiotherapie zu verbessern!

S-Simplify: Mach es einfach!

1.Limitiere die Anzahl der mitgegebenen Übungen auf max. 2-5.

2.Reduziere Übungen, die nur mit einem speziellen Equipment oder an einem speziellen Ort durchführbar sind.

3.Passe die Übungen den Präferenzen, den Prioritäten, Fertigkeiten und Vorerfahrungen des Patienten an.

4.Entwickle Programme mit der geringst möglichen Komplexität.

5.Baue Übungsroutinen in für den Patienten bedeutsame Alltagsaktivitäten ein.

 

I-Impart knowledge: Vermittle Wissen!

1.Benutze keine Fachsprache.

2.Erkläre die Gefahren und den Nutzen jeder Behandlungs-option.

3.Schaffe Lernsituationen, in denen der Patient seine eigenen Informationen (z.B. die über das Internet) einbringen kann.

4.Kommuniziere die Evidenz angemessen, um die Entscheidungsfindung zu erleichtern.

 

M-Modify: Verändere psychologische Reaktionen und Überzeugungen!

1.Erfasse und bedenke die psychosozialen Barrieren für das Training.

2.Fördere Verhaltensänderungen, indem du die Bereitschaft für und das Vertrauen in das Trainingsprogramm aufbaust.

3.Verwende motivationale und verhaltensorientierte Adhärenz-Strategien (z.B. „Motivierende Gesprächsführung“, Selbst-beobachtungsansätze, z.B. Trainingplan selbst dokumentieren lassen).

4.Vermeide Begriffe oder Handlungen, die negative Schmerzkognitionen und ungünstiges Schmerzverhalten verstärken.

 

P-Promote: Fördere die therapeutische Allianz!

1.Schaffe eine Atmosphäre, die „herausfordernd“ ist und die  Selbstbestimmung (Empowerment) fördert.

2.Liefere ein konstruktives Feedback über die Fortschritte.

3.Lege gemeinsame Behandlungsziele und -aufgaben fest.

4.Stelle eine enge Beziehung zum Patienten her und halte sie aufrecht.

5.Praktiziere eine patienten-zentrierte Kommunikation.

 

L-Leave: Lasse deinen Bias (möglichst) zurück!

1.Vermeide es, Patienten in Schubladen zu stecken, die negative Persönlichkeitsmerkmale suggerieren (z.B. „wehleidig“).

2.Erkenne unterschiedliche kulturelle Hintergründe an und berücksichtige sie.

3.Treffe Entscheidungen auf der Grundlage von Evidenz und nicht auf der Grundlage von persönlichen Überzeugungen und Einstellungen.

4.Mach dir deinen eigenen kulturellen Bias und seinen Einfluss auf deine klinische Praxis bewusst.

 

E-Evaluate: Evaluiere die Adhärenz!

1.Entwickle eine Strategie, die es dem Patienten ermöglicht, seine eigene Adhärenz zu kontrollieren (z.B. Trainingstagebücher).

2.Überprüfe die Trainings-aufzeichnungen, die Übungsdurchführung und die generelle Bereitschaft innerhalb der Therapiesitzungen

3.Verwende Messmethoden, um aus Sicht des Therapeuten UND des Patienten die Adhärenz zu bestimmen.

4.Stelle einfache und direkte Fragen zur Adhärenz.

 

T-Technology: Technik kann hilfreich sein!

1.Benutze SMS, Apps oder Email, wenn es für den Patienten passt.

2.Überlege, ob Tele-rehabilitation Sinn macht.

3.Erstelle kurze Trainings-videos über die Mobilgeräte des Patienten.

4.Nutze webbasierte Behandlungstools und Ergebnismessungen im Behandlungsplan.

 

I-Identiy Finde Barrieren und entwickle Lösungen!

1.Empfehle zeitsparende Übungen.

2.Liefere Aufklärung darüber, wie Schmerz, Schlaf und Energielevel die Trainingsbereitschaft beeinflussen können.

3.Suche nach für den Patienten angenehmen Möglichkeiten des Trainings.

4.Bedenke Herausforderungen bzgl. Verkehrswegen und Wetter.

5.Bespreche Strategien, die Patienten helfen sollen, das Training „auf dem Schirm zu behalten“.

 

P-Plan: Plane die langfristige Supervision!

1.Ermögliche „Auffrisch-Termine“ bei langfristigen Problematiken (z.B. Arthrose).

2.Vermittle langfristige Trainingsmöglichkeiten.

3.Versorge den Patienten kontinuierlich mit aktuellen Informationen (z.B. über Email).

4.Lege Kontrolltermine in einem adäquaten Zeitrahmen fest, um die Entwicklung des Patienten, seine Beschwerden und Symptome zu begutachten.

 

S-Set goals: Setze Ziele!

1.Setze SMARTe Ziele.

Spezifisch

Messbar

Akzeptiert

Realistisch

Teminierbar

2.Passe die Zielsetzung an den einzelnen Patienten und seinen Lebens-kontext an.

3.Zielsetzung sollte ein gemeinsamer Prozess sein, der andere Therapeuten und Ärzte, die Familie bzw. die Betreuer mitberücksichtigt.

4.Nutze patientenspezifische Messungen in der Zielsetzung.

Quellen

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