„Warum verhält sich mein Patient nur so?“

„Warum verhält sich mein Patient nur so?“

4 Phasen des Selbstregulierungsprozesses anhand eines Beispiels

Stadium1: Erhalten von Informationen über das Gesundheitsproblem

Der Patient wurde von einem Arzt darüber informiert, dass seine schlechte Haltung und die häufige Beugung nach vorne zu seinen Schmerzen beigetragen haben. (Dupeyron et al. 2011)

Stadium 2: Aufbau eines Krankheitskonstrukts

Der Patient versteht, dass er jetzt einen schwachen und schmerzenden Rücken hat, weil ihm eine Bandscheibe im unteren Rücken „rausgerutscht“ ist. Die bildgebende Verfahren unterstützen diese Annahme ebenfalls.

Verlauf der Krankheitskomponente: Der Patient hat weiterhin anhaltende Schmerzen, die er als störend für seine Arbeit ansieht. Der Patient „fühlt“, dass seine Schmerzen für den Rest seines Lebens anhalten könnten.

Kontrolle über die Krankheitskomponente: Der Patient hat nicht das Gefühl, dass er die Kontrolle über seine Symptome hat.

Konsequenzen: Der Schmerzen erzeugen erhebliche Ängste, da er Angst davor hat, die Erwartungen und Anforderungen seines Arbeitgebers nicht zu erfüllen.

Initialisierung und Erhalt der Ursachen: Seine schlechte Haltung, seine schwache Lendenmuskulatur und die  Beugung nach vorne verhindern, dass er schmerzfrei ist und verschlechtern seine Arbeitsfähigkeit.

Stadium 3: Aktionsplan

Basierend auf seinen Krankheitswahrnehmung wird der Patient Bewältigungsstrategien anwenden, die eine „optimale“ Haltung, Kräftigungsübungen und das Vermeiden der Beugung beinhalten, da diese seinen unteren Rücken stärken und aus seiner Sicht das Risiko, seine Bandscheiben zu verletzen, verringern könnten.

Stadium 4: Bewertung der Wirksamkeit des Aktionsplans im Bezug zu eigenen Zielen

Bei der Bewertung seines Fortschritts merkt der Patient, dass seine Bewältigungsstrategien sein Schmerzniveau reduzieren, indem sie seinen vermeintlich geschwächten Rücken schützen und kräftigen, was ihn dazu bringt, sein Verhalten zu verstärken.

 

Aber…..

Aus klinischer Sicht wissen wir jedoch, dass dieses Verhalten (d.h. der Verzicht auf die Beugung) für den Patienten tatsächlich schädlicher sein kann, da es zu Angstvermeidungsverhalten (Vlaeyen und Linton, 2012) und zu einer Verschlimmerung seiner Schmerzen und der damit verbundenen Einschränkungen führen kann. Der Therapeut kann daher Schwierigkeiten haben, eine Verhaltensänderung des Patienten umzusetzen, wenn er nicht versucht, die Handlungslogik des Patienten präaktiv zu verstehen und zu bewerten.

Dieses Modell kann Licht auf die Hintergründe werfen, warum ein Patient ein bestimmtes Verhalten annimmt. Des Weiteren hilft es Rehabilitationsexperten ihre Behandlungs-ansätze zu personalisieren, um gezielt auf die Faktoren einzugehen, die einer Verhaltensänderung des Patienten im Wege stehen und so dazu beitragen,  die klinischen Ergebnisse zu verbessern.

 

Quelle:

Longtin et al. (2019) Deciphering programs for optimal self-management of persistent musculoskeletal-related pain and disability – Clinical implications for PTs.

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