Was ihnen häufig über Beckenringbeschwerden erzählt wird Der ISG Faktencheck

Was ihnen häufig über Beckenringbeschwerden erzählt wird Der ISG Faktencheck

Was Ihnen häufig erzählt wird: Betonung von Schäden und Funktionsstörungen

  • „Sie haben ein instabiles ISG“
  • „Ihr ISG ist nicht in der richtigen Position“
  • „Ihr Becken ist verschoben“
  • „Sie haben ISG Beschwerden, weil Ihr Rumpf zu schwach ist“
  • „Ihre Beckenbänder sind lax“
  • „Sie sollten beim Training einen Beckengurt benutzen, um das Becken zu schützen!“

 

Was Ihnen häufig erzählt wird: Negative Zukunfsaussichten

  • „Ihr ISG wird immer instabil sein„
  • „Sie werden jetzt immer eine Schwäche haben, also seien Sie vorsichtig“
  • „Sie müssen vorsichtig sein, wenn Sie schwanger werden“
  • „Sie werden keine natürliche Geburt haben können“
  • „Kinder zu bekommen hat Ihr Becken zerstört es gibt nichts, was Sie jetzt tun können“

 

Was Ihnen häufig erzählt wird: Schmerz gleich Schaden

  • „Hören Sie auf, sobald Sie Schmerzen bekommen“
  • „Lassen Sie sich vom Schmerz leiten“.
  • „Sie sollten nicht….! (welche vernünftige Aktivität auch immer)

 

Lassen Sie uns die Fakten checken! FAKTENCHECK

 

Faktencheck: ISG Beschwerden sind komplex!

  • „ISG Beschwerden bedeuten, dass Ihre Beckenstrukturen sensibilisiert sind“.
  • „Veränderte Körperhaltungen, Muskelverspannungen, Schlafmangel, Inaktivität, Stress und Sorgen können sie sensibilisieren“.
  • „Das Gehirn fungiert als Verstärker je mehr Sie sich um Ihre Schmerzen kümmern und sich darauf konzentrieren, desto schlimmer wird es.“

 

Faktencheck: Sie können Ihrem Körper vertrauen, Ihr ISG ist stabil!

  • „Ihre Beckenstrukturen sind die stärksten Strukturen im Körper und man kann ihnen vertrauen!“
  • „ISGs springen nicht raus sie sind dafür zu stark!“

 

Faktencheck: Sie können Ihrem Körper vertrauen, Ihr ISG ist stabil!

  • „Ich möchte nicht, dass Sie sich auf Gurte und Bandagen verlassen, wir bringen Ihnen bei, wie Sie wieder Vertrauen in Ihre Beckenstrukturen gewinnen können!“
  • „Die meisten Erkrankungen des Beckengürtels werden besser besonders wenn man Vertrauen in den Körper hat!“

 

Faktencheck: Gesunde Verhaltensweisen sind auch bei ISG Beschwerden wichtig

  • „Positives Denken, guter Schlaf, Entspannung und regelmäßige Bewegung helfen gegen Ihre ISG Beschwerden!„
  • „Der Schutz des ISGs und die Vermeidung von Bewegung können Ihre Schmerzen verschlimmern entspannte, selbstsichere Bewegung hilft!“

 

Faktencheck: Passive Behandlungen sind selten die Lösung!

  • „Lassen Sie uns einen Weg finden, um Ihnen Kontrolle über den Schmerz zu geben, anstatt kurze Abhilfen zu schaffen!“.
  • „Du kannst nicht auf dem Beifahrersitz sitzen, um zu lernen, wie man Auto fährt: Das langfristige Selbstmanagement ist entscheidend!“

 

Lassen Sie uns die Fakten checken! Die ausführlichen Fakten im Überblick

 

Die gesamten Fakten im Überblick

Das SIG ist dafür gemacht, Kräfte zu übertragen (Kapandji , 1982; Gray and Williams 1989) und kann unter normalen Bedingungen enorme Kompressionskräfte sicher weiterleiten (Snijders et al. 1993a).

Das SIG ist grundsätzlich stabil (Vleeming et al. 1990 a+b; Snijders et al. 1993).

Im SIG findet kaum Bewegung statt: Ohne Gewichtsbelastung max. 2,5 (Sturesson et al., 1989;Brunner et al., 1991; Jacob and Kissling, 1995; Vleeming et al. 1992a,b, Kibsgard et al. 2017), noch deutlich weniger unter Gewichtsbelastung (im Schnitt 0,2 Rotation, Sturesson et al. 2000).

Bewegungen des SIGs können nicht reliabel durch manuelle Palpation erfasst werden, insbesondere nicht unter Gewichtsbelastung ( Sturesson et al. 2000; van der Wurff et al. 2000a,b)

Aufgrund seiner anatomischen Bauweise sind intraartikuläre Verschiebungen innerhalb des SIGs kaum möglich. ( Tullberg et al.1998).

Keine Studie mit einer validen Messmethodik hat jemals gezeigt, dass eine Beckenmanipulation die Position der Beckengelenke verändern kann ( Tullberg et al. 1998)

Eine Schmerzreduktion durch solche Verfahren ist das Ergebnis einer nozizeptiven Inhibition durch neuro inhibitorische Faktoren oder einer veränderten muskulären Aktivierung (Wright & Vicenzino 1995; Pickar 2002).

Die Aussage einiger Ärzte und Therapeuten, ein verschobenes, dysfunktionales SIG zu verändern, um damit Schmerzen in anderen Bereichen zu behandeln, ist nicht evidenzbasiert (Beales & O`Sullivan 2015)

Wenn klinische Zeichen für einen reduzierten Kraftschluss sprechen (positiver ASLR), dann findet die ist das Ausdruck einer gestörten motorischen Kontrolle im Becken und Hüftbereich (Beales et al. 2009, O ´ Sullivan et al. 2002) in Zusammenhang mit einer Sensibilisierung von Gewebestrukturen ( Palsson et al. 2015) und steht nicht einem instabilen Becken in Verbindung ( Kibsgard et al. 2017).

ISG Problematiken können sowohl mit exzessiver als auch reduzierter motorischer Aktivität der lumbopelvikalen Muskulatur in Verbindung stehen (O’Sullivan et al. 2002a; Hungerford et al. 2003; Pool Goudzwaard et al. 2005; O’Sullivan & Beales 2007).

Die Symphysis pubica kann eine Quelle von Schmerzen sein und kann durch eine körperliche Untersuchung identifiziert werden, obwohl dieser Prozess nicht auf die gleiche Weise wie für das ISG validiert wurde. Wie beim ISG gibt es keine klare, direkte Beziehung zwischen dem Ausmaß der Symphysenbewegung und den Schmerzen ( Bjorklund et al. 1999).

Der stärkste Prädiktor dafür, dass Schmerzen im Beckengürtel nach einer Schwangerschaft nicht chronisch werden, ist der Glaube, dass sie nicht auftreten ( Vollestad & Stuge 2009).

Andere Prädiktoren sind psychische Belastung, negative Kognitionen und Schlafstörungen (Beales & O’Sullivan 2015).

Die klinische Beurteilung einer Beckenasymmetrie kann wahrscheinlich aufgrund von Veränderungen in der Wirbelsäule und im Hüftbereich als Folge einer veränderten Becken und Rumpfmuskelaktivität auftreten ( Sipko et al. 2018; Tullberg et al. 1998).

 

Quelle

Beales, D., Slater, H., Palsson , T., & O’Sullivan, P. (2020). Understanding and managing pelvic girdle pain from a person centred biopsychosocial perspective. Musculoskeletal Science and Practice, 102152.https://doi.org/10.1016/j.msksp.2020.102152

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