Was Sie bei persistierenden Schmerzen wissen sollten!? – Die 5 Dos – und Die 5 Don‘ts –

Was Sie bei persistierenden Schmerzen wissen sollten!? – Die 5 Dos – und Die 5 Don‘ts –

Was Sie bei persistierenden Schmerzen wissen sollten!? – Die 5 Dos –

  1. Wissen, dass Ihr Schmerz real ist

Anhaltende Schmerzen sind sehr komplex und oft nicht mit einer bestimmten Verletzung oder Schädigung verbunden. Dies kann dazu führen, dass Menschen das Gefühl haben, man würde ihnen nicht geglaubt. Ähnlich wie bei anderen chronischen Erkrankungen wie Herzkrankheiten oder Diabetes gibt es viele Faktoren, die den Schmerz beeinflussen. Dazu gehören Dinge wie unser Aktivitätsniveau und unsere Fitness, der allgemeine Gesundheitszustand, die Schlafqualität, das psychische Wohlbefinden und die soziale Funktions-fähigkeit.  Wichtig ist, dass Ihre Schmerzen real sind, unabhängig davon, welche Faktoren beteiligt sein könnten. Suchen Sie medizinische Fachkräfte in Ihrer Umgebung auf, die ein Interesse daran haben, Menschen mit anhaltenden Schmerzen zu helfen. Dies gibt Ihnen die Gelegenheit, Ihre Geschichte zu erzählen, Ziele zu setzen und an der Entwicklung eines Behandlungsplans zu arbeiten. Sie müssen die „Reise“ nicht alleine antreten.

  1. Bleiben Sie aktiv

Körperliche Aktivität ist für jeden wichtig. Die gesundheitlichen Vorteile regelmäßiger Bewegung sind gut bekannt. Es gibt keine „beste Bewegung“ für Menschen mit Schmerzen. Wählen Sie Aktivitäten, die Ihnen Spaß machen, und besprechen Sie diese Optionen mit Ihrem Therapeuten. Eine wichtige Botschaft ist, dass es keine zu geringe Menge an Bewegung gibt. Mehr ist zwar besser, aber ein wenig reicht auch schon sehr weit! Mit der Zeit kann regelmäßige Bewegung dazu beitragen, Ihre Schmerzen zu kontrollieren sowie Ihren Schlaf und Ihr psychisches Wohlbefinden zu verbessern.

  1. Konzentrieren Sie sich auf wertvolle uns sinnvolle Aktivitäten im Leben

Schmerz kann alles verzehren. Es kann schwierig sein, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Fokussieren Sie sich auf Aktivitäten und Ziele, die Ihrem Leben einen Wert verleihen, anstatt einfach nur zu versuchen, den Schmerz zu lindern. Dazu können einfache Dinge gehören, wie das Lesen eines Buches, das Hören Ihrer Lieblingsmusik oder sportliche Betätigung.

Es ist wichtig zu erkennen, dass es möglich ist, ein sinnvolles Leben zu führen und trotzdem Schmerzen zu haben. Wenn wir alle unsere Ressourcen einsetzen, um zu versuchen, den Schmerz loszuwerden, bleibt uns wenig für etwas anderes übrig. Geben Sie sich selbst den Vorrang vor Ihrem Schmerz.

  1. Pflegen Sie Ihre sozialen Beziehungen

Viele Menschen mit Schmerzen fühlen sich isoliert. Sie gehen nicht mehr mit Freunden aus, sind nicht mehr am Arbeitsplatz, usw. Das Gefühl der Einsamkeit kann sich negativ auf Ihre Stimmung, Ihren Schlaf und Ihr Aktivitätsniveau auswirken und somit Ihre Schmerzen langfristig verschlimmern. Suchen und pflegen Sie Beziehungen, die für Sie wichtig sind. Beginnen Sie langsam. In der gegenwärtigen Krise, in der Aktivitäten im Freien und gesellschaftliche Zusammenkünfte eingeschränkt sind, sind soziale Medien eine gute Plattform, um Ihre sozialen Kontakte aufrechtzuerhalten.  Denken Sie langfristig darüber nach, sich zum Beispiel einer Gruppe oder einem Verein anzuschließen, die (der) Ihren Hobbys entspricht. Sprechen Sie offen mit Ihrer Familie, Ihren Freunden, Arbeitgebern, Gesundheitsdienstleistern, Selbsthilfegruppen usw. über Ihre Probleme und Sorgen. Sie brauchen Ihren Schmerz nicht zu „verstecken“. Vergleichen Sie sich nicht mit anderen und konzentrieren Sie sich auf eine gute Schlafqualität, gutes Essen und darauf, aktiv zu bleiben.

  1. Stellen Sie sich Ihren Ängsten

Menschen mit Schmerzen beginnen oft mit der Zeit, Aktivitäten oder Situationen zu vermeiden, von denen sie befürchten, dass sie ihre Schmerzen verschlimmern. Die Angst vor Schmerzen kann stärker behindernd wirken als der Schmerz selbst. Unter der Anleitung eines Therapeuten sind Menschen oft überrascht, wenn sie erkennen, wozu sie doch in der Lage sind. Auch wenn es zunächst sehr unangenehm sein mag, sich seinem Ängsten zu stellen und allmählich wieder mit solchen Aktivitäten zu beginnen, kann ihnen das viel Selbstvertrauen und neuen Mut geben.

Was Sie bei persistierenden Schmerzen wissen sollten!? – Die 5 Don‘ts –

  1. Sich selbst die Schuld geben oder den Schmerz „bekämpfen“

Schmerz ist kein Zeichen von Schwäche. Schmerzen können Menschen jeden Alters betreffen. Man kann leicht in einen Schmerz-Teufelskreis geraten, wobei Versuche, den Schmerz zu „bekämpfen“, zu einem regelmäßigen Aufflackern der Schmerzen („Flare-up“) führen können, die zu geringerer Aktivität, schlechter Laune, Schlafstörungen, Frustration und größerer Abhängigkeit von Medikamenten führen. Ein besserer Ansatz ist es, sich auf das zu konzentrieren, was Ihren Leben mehr Bedeutung verleihen könnte. Indem Sie sich gemeinsam mit Ihrem Therapeuten realistische Ziele setzen, anstatt die Schmerzen zu „bekämpfen“, können Sie darauf hinarbeiten, diese sinnvollen Ziele allmählich und stetig zu erreichen. Belohnen Sie sich selbst für diese positiven Schritte, auch wenn sie vielleicht nicht immer sofort erfolgreich sind.

  1. Annehmen, dass anhaltender Schmerz immer Schaden bedeutet

Denken Sie an einen verstauchten Knöchel – der Schmerz ist kurzfristig hilfreich, damit Sie nicht zu früh darauf springen oder laufen und die Verletzung dadurch verschlimmern. Mit anderen Worten: Der Schmerz wirkt wie Ihr Beschützer. Statt Schaden zu signalisieren, bedeutet der Schmerz in diesen Situationen eher, dass Sie wahrscheinlich keinen Schaden anrichten werden. Ein Problem entsteht, wenn diese Schutzmechanismen überprotektiv werden, wie es bei anhaltenden Schmerzen oft der Fall ist. Mit anderen Worten: Ihr Körper kann Sie auch dann vor bestimmten Bewegungen oder Aktivitäten schützen, wenn die Gewebe Ihres Körpers (Muskeln, Bänder, Gelenke usw.) dies nicht wirklich erfordern. Zu verstehen, dass Sie sich zwar mit Schmerzen, aber dennoch sicher bewegen können, ist oft sehr ermutigend und kann dazu beitragen, Ängste und Sorgen im Zusammenhang mit Schmerzen zu verringern und langfristig sogar die Schmerzen zu reduzieren.

  1. Sich beeilen oder Panik schieben, wenn die Schmerzen aufflackern

Die Reise von Menschen mit Schmerzen ist oft voller Höhen und Tiefen. Betroffene beschreiben dies typischerweise als „gute“ und „schlechte“ Tage. Das ist ganz normal. Anstatt das Wiederaufflammen von Schmerzen als Rückschlag zu sehen, ist dies  oft eine nützliche Zeit, um über die Situation nachzudenken und mögliche „Auslöser“ zu identifizieren – haben Sie schlecht geschlafen? Haben Sie vielleicht mehr Aktivitäten als gewöhnlich unternommen? War die Arbeit besonders stressig? Der Punkt ist, dass diese Flare-ups als eine Lerngelegenheit betrachtet werden können. Es ist wichtig, zusammen mit Ihrem Gesundheitsteam einen „Werkzeugkoffer“ zu entwickeln, der Ihnen hilft, mit Flare-ups umzugehen, z.B. Möglichkeiten zur Modifizierung Ihrer Übungen oder Aktivitäten, Entspannungstechniken, Tipps zur Verbesserung Ihres Schlafs, Strategien zum Umgang mit negativen Emotionen usw. So erlangen Sie die Kontrolle über Ihre Situation zurück.

  1. Sich auf „Bilder“ verlassen, die die ganze Geschichte erzählen

Bildgebung (Scans) wie Röntgen-, MRT- oder CT-Aufnahmen sind für eine kleine Anzahl von Menschen nützlich. Sie sind besonders hilfreich, wenn wir den Verdacht haben, dass die Schmerzen einer Person auf eine ernste Erkrankung zurückzuführen sind oder für die Planung einer anstehenden Operation. Glücklicherweise sind diese Erkrankungen selten, und ein Gespräch mit Ihrem Arzt oder Therapeuten wird Ihnen dabei helfen, festzustellen, ob ein Scan erforderlich ist. Für die Mehrheit der Menschen sind Scans oft unnötig und haben keinen Einfluss auf den Behandlungsplan. Heutzutage sind Scans so detailliert, dass sie auch bei Menschen ohne Schmerzen viele Veränderungen zeigen. Beispielsweise haben 87% der Menschen ohne Nackenschmerzen bei einer MRT-Untersuchung eine Bandscheibenvorwölbung. Es ist also wichtig, dass wir nicht immer davon ausgehen, dass das, was wir auf dem Bild sehen, für diesen Menschen relevant ist. Oft ist es bei weitem  nicht so „gruselig“, wie es sich vielleicht zuerst für Sie anhören mag!

  1. Glauben Sie alles, was Sie hören oder lesen

Wenn Menschen Schmerzen haben, ist es sehr verständlich, dass sie „alles versuchen“, um ihren Schmerz zu lindern. Täglich hören wir in den Medien oder im Internet viele Behauptungen über die besten Behandlungsmethoden für Menschen mit Schmerzen. Oft werden diese Behauptungen nicht durch Forschungsergebnisse untermauert und stützen sich stattdessen auf „Erfahrungs-berichte“. Im besten Fall sind einige dieser ungeprüften Behandlungen eine Verschwendung Ihres Geldes; im schlimmsten Fall können sie je nach Art der angebotenen Behandlung schädlich sein.

In der Regel gibt es für ein komplexes Problem wie anhaltende Schmerzen keine einfache Lösung. Seien Sie also vorsichtig, wenn jemand behauptet, eine „Heilung“ zu haben, die allen hilft. Bevor Sie sich für einen bestimmten Behandlungsweg entscheiden, ist es wichtig, Ihre Optionen mit einer medizinischen Fachkraft zu besprechen, die mit den besten verfügbaren Forschungs-ergebnissen darüber vertraut ist, wie man Menschen mit Schmerzen am besten helfen kann. Auf diese Weise können Sie unnötige oder sinnlose Behandlungen vermeiden, die letztlich sogar  Ihre Genesung verzögern können.

 

Quelle

„10 do’s and don’ts of persistent pain“

– Dr Derek Griffin –

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