Was Sie über Schulterschmerzen in Zusammenhang mit der Rotatorenman-schette unbedingt wissen sollten?

Was Sie über Schulterschmerzen in Zusammenhang mit der Rotatorenman-schette unbedingt wissen sollten?

Patienten mit Schulterschmerzen in Zusammenhang mit der Rotatorenmanschette bekommen häufig solche oder ähnliche Aussagen zu hören1…

„Das Schulterdach verursacht Ihre Beschwerden, weil es ihre Sehne aufreibt“

„Ihre Sehne ist ziemlich aufgefranst und geschädigt“

„Ihre Beschwerden kommen vom Riss der Rotatorenmanschette“

„Wenn wir diesen kleinen Riss nicht operieren, wird er so groß, dass wir ihn nicht mehr repariert bekommen“

„Ihre Haltung oder Schulterblattstellung ist der Grund für Ihre Beschwerden“

 

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Schmerz, z.B. beim Heben des Armes nicht „Einklemmen der Sehne“ bedeutet!

Der Schmerz hat in diesem Zusammenhang eher etwas mit der Sensibilität der Schulter zu tun. Eine Sehne, die „außer Form geraten“, schwach und empfindlich ist, wird von Ihrem Nervensystem mit einer Schutzreaktion (Schutzpuffer) belegt. Das Resultat davon ist Schmerz2.

Der Begriff “Schulterimpingement”, der dafür steht, dass ein abnormes Schulterdach in die Rotatorenmanschette drückt, sollte nicht mehr verwendet werden3. Eine solche Terminologie sorgte eher dafür, dass Patienten die Erfolgsaussichten von Physiotherapie gering einschätzen und sich für OPs entscheiden4.

Was heißt das für Sie?

Abzuwarten, bis der Schmerz von alleine wieder verschwindet, ist keine gute Lösung. Ihre Sehne wird dadurch nicht wieder in Form kommen.

 

Wichtig ist es ebenfalls zu wissen, dass starke Veränderungen der Rotatorenmanschette auch ohne Schmerzen auftreten können, sogar bei jungen Sportlern auf höchstem Niveau!

MRT- Untersuchungen Erwachsener OHNE Schulterschmerzen zeigen, dass 20% Teilrisse und sogar 15% komplette Risse der Rotatorenmanschetten-

Muskulatur aufweisen. Zusätzlich sind bei etwa der Hälfte der über 60-jährigen OHNE Schulterschmerzen Veränderungen an der Rotatorenmanschette zu finden, von denen sie nichts wussten5.

Eine Studie an professionellen Baseball- Pitchern zeigt, dass 40% von ihnen entweder Teil- oder Komplettrisse der Rotatorenmanschetten-Muskulatur aufweisen, OHNE Schmerzen zu haben. Dies änderte sich auch nach einer erneuten Untersuchung 5 Jahre später nicht6.

Was heißt das für Sie?

Keine Sorge, wenn die Untersuchung Ihrer Schulter Muskelverletzungen aufweist; diese stehen nicht automatisch mit Schulterschmerzen in Zusammenhang!

 

Demzufolge empfehlen internationale Studien in den meisten Fällen eine Erstbehandlung mit therapeutischen Trainingsprogrammen vor einer Operation7

 

Übungen dürfen auch hier wehtun. Erinnern Sie sich an die außer Form geratene Sehne zurück?! Entscheidend ist, dass Sie die Kapazität Ihrer Sehnen verbessern.

Wenn Sie Ihre Sehnen und den Schulterbereich kräftigen und den Schutzpuffer dadurch reduzieren, wird sich der Schmerz und die Funktion verbessern. Dazu müssen die Übungen/ Belastungen an Ihren momentan Zustand angepasst und dann stufenweise gesteigert werden8.

Ihr Therapeut wird Sie dabei unterstützen!

 

Schmerz hat aber nicht nur mit Ihrer Sehne zu tun! Viele andere Faktoren (Schlaf, generelle Gesundheit, etc.) beeinflussen den Schmerzpuffer. Auch Schulterschmerzen sind mehrschichtig9!

Was heißt das für Sie?

 

Viele Faktoren, nicht nur der Zustand der Sehnen, beeinflussen Schmerzen? Finden Sie Ihre Schmerztreiber und versuchen Sie, an diesen zu arbeiten? Ihr Therapeut wird Sie dabei unterstützen!

Quellen

1Cuff, A., & Littlewood, C. (2018). Subacromial impingement syndrome–what does this mean to and for the patient? A qualitative study. Musculoskeletal Science and Practice, 33, 24-28.

Littlewood, C., Malliaras, P., Bateman, M., Stace, R., May, S., & Walters, S. (2013).

2Littlewood, C., Malliaras, P., Bateman, M., Stace, R., May, S., & Walters, S. (2013). The central nervous system–an additional consideration in ‘rotator cuff tendinopathy’and a potential basis for understanding response to loaded therapeutic exercise. Manual therapy, 18(6), 468-472.

3Lewis, Jeremy (2018): The End of an Era? In: The Journal of orthopaedic and sports physical therapy 48 (3), S. 127–129. DOI: 10.2519/jospt.2018.0102.

4Dunn, W. R., Kuhn, J. E., Sanders, R., An, Q., Baumgarten, K. M., Bishop, J. Y., … & Jones, G. L. (2016). 2013 Neer Award: predictors of failure of nonoperative treatment of chronic, symptomatic, full-thickness rotator cuff tears. Journal of shoulder and elbow surgery, 25(8), 1303-1311.

5Sher, J. S., Uribe, J. W., Posada, A., Murphy, B. J., & Zlatkin, M. B. (1995). Abnormal findings on magnetic resonance images of asymptomatic shoulders. The Journal of bone and joint surgery. American volume, 77(1), 10-15.

6Connor, P. M., Banks, D. M., Tyson, A. B., Coumas, J. S., & D’Alessandro, D. F. (2003). Magnetic resonance imaging of the asymptomatic shoulder of overhead athletes: a 5-year follow-up study. The American journal of sports medicine, 31(5), 724-727.

7Nazari, G., MacDermid, J. C., Bryant, D., & Athwal, G. S. (2019). The effectiveness of surgical vs conservative interventions on pain and function in patients with shoulder impingement syndrome. A systematic review and meta-analysis. PloS one, 14(5)

8Littlewood, C., Bateman, M., Connor, C., Gibson, J., Horsley, I., Jaggi, A., … & Scott, M. (2019). Physiotherapists’ recommendations for examination and treatment of rotator cuff related shoulder pain: A consensus exercise. Physiotherapy Practice and Research, 40(2), 87-94.

9Maestroni, L., Marelli, M., Gritti, M., Civera, F., & Rabey, M. (2020). Is rotator cuff related shoulder pain a multidimensional disorder? An exploratory study. Scandinavian Journal of Pain.

TO TOP
error: Content is protected !!
X