Wie das Gehirn den Körper sieht

Wie das Gehirn den Körper sieht

„Mein Rücken fühlt sich so an, als würde er nicht zu mir gehören“

…war am Freitag die Aussage eines Patienten. Was steckt hinter solchen Kommentaren. Alles „nur eingebildet oder was?“

Chronischen Schmerzen sind eindeutig mit Veränderungen des Körperbildes assoziiert (Folie 1). So konnte Moseley (2008) bei chronischen Rückenschmerzpatienten in über 50% der Fälle ein „expandiertes“ oder aber ein „geschrumpftes“ Körperbild feststellen (Folie 2).

Benedict Wand hat vor einigen Jahren ein Modell entwickelt, das „maladaptive Perzeptions-Modell“ (Folien 3-5), wonach die Wahrnehmungsstörungen des Rückens auf (neuro-)biologischer und psychologischer Ebene die Grundlage für einen sich selbst verstärkenden Schmerzmechanismus darstellen.

Um den „Reality Check“ dieses Modelles anzugehen, testeten Benedict Wand, Peter O´Sullivan und Kollegen jetzt in einem Kollektiv von 251 Rückenschmerzpatienten klar definierbare psychische und physische Faktoren, wie Bewegungsängste, Katastrophisierungstendenzen, psychologischen Disstress und die lumbalen Schmerzschwellen für Druck und Temperatur. Daneben kam ein von ihnen entwickelter und validierter Fragebogen zum Einsatz, der „Fremantle Back Awareness Questionnaire“ (FreBaQ, Folie 6). Mit seiner Hilfte sollten die Zusammenhänge zwischen einer gestörten Körperwahrnehmung und den genannten psychischen bzw. physischen Funktionen quantifiziert werden.

Das Ergebnis ist durchaus spannend:

Der FreBaQ korrelierte mit der Schmerzintensität, der Funktion des Rückens, der Katastrophisierung, dem Angst-Vermeidungsverhalten (PA), Psychologischem Disstress und der Druckschmerzschwelle. Dabei war die Korrelation des FreBaQ mit der Schmerzintensität sogar höher als für alle anderen Parameter.

Das veränderte Körperschema scheint also für sich selbst ein potentes Gefahrensignal zu sein (DIM, „danger in me“), das einen deutlichen Einfluss auf die Schmerzintensität hat. Aber auch psychologische und physiologische Faktoren sind mit unserem Körperbild assoziiert: Wie wir uns somatosensorisch wahrnehmen, so fühlen wir uns auch.

Jeder Zugriff auf unseren Körper – wie er aussieht, sich anfühlt, usw. – ist durch unser Gehirn vermittelt, einen „direkten“ Zugriff gibt es nicht!!!

Ein „unscharfes“ Körperbild ist für unsere Patienten also ein Unsicherheitsfaktor, den wir im Assessment (FreBaQ) und der Therapie berücksichtigen müssen, und der ein „neues Fenster“ in der Schmerzphysiotherapie öffnet.

Wie? Dazu demnächst mehr!!!

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