Wie gut ist unser „Bauchgefühl“ wirklich?

Wie gut ist unser „Bauchgefühl“ wirklich?

Wie gut ist unser „Bauchgefühl“ tatsächlich, wenn es bei Patienten mit Rückenschmerzen darum geht festzulegen, ob…

…sie ein geringes Risiko für persistierende Beschwerden und Funktionseinschränkungen haben und daher durch eine „beruhigende“ Beratung und einfache Analgetika behandelt werden können

…ein moderates Risiko für persistierende Beschwerden und Funktionseinschränkungen besteht, d.h. zwar biologische Risikofaktoren vorliegen, aber keine hohen Psychosozialen und daher eine Behandlung durch einen „normalen“ Physiotherapeuten erfolgversprechend ist

…ein hohes Risiko für persistierende Beschwerden und Funktionseinschränkungen vorliegt, also hohe psychosoziale Risikofaktoren (mit bzw. ohne biologischen Risikofaktoren) und demzufolge eine Behandlung durch einen Praktiker erfolgen sollte, der über Kompetenzen im Umgang mit solchen Barrieren für die Genesung verfügt.

Dazu führten Hill und Kollegen (2012), „Clinical Journal of Pain“, eine richtungsweisende Studie durch, in der  9 Experten (3 Physios, 3 Hausärzte und 3 Schmerztherapeuten) genau diese Einschätzung bei Rückenpatienten vornehmen mussten. Dazu wurden die Patienten nach einem festgelegten Protokoll interviewt, um ihre Überzeugungen bezüglich der Rückenschmerzen aufzudecken, sowie ihren Ängste und Sorgen Ausdruck zu verleihen.

Video-Sequenzen dieser Interviews wurden den Experten vorgelegt und ihre Einschätzung abgefragt. Als Vergleichsstandard kam der „STarT Back“-Fragebogen zum Einsatz, der seine Validität als Screening-Instrument in großen Studien bewiesen hat.

Nur in der Hälfte der Fälle lagen die Therapeuten in ihrer Einschätzung richtig. Hätten sie geraten, so wäre eine Übereinstimmung von 1/3 zu erwarten gewesen. Ihr Urteilsvermögen lag also etwas über der des „reinen Ratens“. Außerdem war die Intertester-Reliabilität äußert gering (Cohens Kappa von 0,28), d.h. die verschiedenen Therapeuten stimmten beim einzelnen Patienten nur selten überein.

Die Autoren fordern daher dazu auf, standardisierte Screening-Instrumente mit einem Interview des Patienten durch „psychologisch informierte“ Therapeuten zu verknüpfen. Das Eine ohne das Andere bedeutet, „auf einem Auge blind zu sein“, da auch jedes standardisierte Tool nicht in der Lage ist, komplexe Situationen – zu denen sicher auch Schmerz gehört – zu erfassen. Erwartungen, Präferenzen, die gesamte „Lebensgeschichte“ des Patienten können nicht „per Aktenlage“ geprüft werden, sondern leben von der Interaktion mit einem empathischen Therapeuten und einer vertrauensvollen Allianz mit dem Patienten. Sinnvolle Tools unterstützen uns auf diesem Weg und sparen Zeit, anstelle Sie zu vergeuden.

Wir lassen unsere Patienten zu aller erst den „STarT-Back“-Bogen ausfüllen, noch bevor ein Befund samt Interview stattfindet (der Patient soll beim Ersttermin also etwas frühen kommen, ca. 5 Minuten). Die Auswertung der neun Fragen dauert -in Abhängigkeit von der Kopfrechen-Leistung“ ca. 10 sec bis zu 1 Minute. Wer Anmeldekräfte hat, die zeitlich etwas weniger „dicht“ sind, kann den Score auch delegieren. Wir arbeiten gerade an einer Software-Lösung auf einem Tablet, dann entfällt sogar noch das. In jedem Fall ist das Ergebnis „Gold wert“ und leitet unser nachfolgendes Gespräch samt Therapie.

Spätestens am Wochende könnt ihr den STarT-Back auf deutsch bei uns downloaden 🙂

 

 

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