Wie wirksam ist MT bei Hüftarthrose?

Wie wirksam ist MT bei Hüftarthrose?

Die Behandlung einer Hüft-Arthrose mit Manueller Therapie gehört wohl zum Standardprogramm der meisten Physiotherapeuten, nicht nur hier in Deutschland (z.B. Crossley et al 2015 in der Bibel der muskuloskelettalen Physiotherapie „Grieve’s Modern Musculoskeletal Physiotherapy“).

Um die Effektstärke von MT (Mobilisation, Manipulation, + Massagetechniken ) in diesem Zusammenhang  statistisch quantifizieren zu können, führten Wang und Kollegen (2015), „PAIN PHYSICIAN“ eine umfangreiche Meta-Analyse durch. Nach Literaturrecherche und Studienselektion blieben am Ende 6 Studien, die den Einschlusskriterien genügten (Folie 1). Dargestellt wurden die Effektstärken gegenüber: Placebo-Behandlung (1 Studie), inaktive Kontrollgruppe (4 Studien) und „minimale Intervention“ (Übungen in einer Studie).

Die Ergebnisse sind auf Folien 2 und 3 dargestellt: Sowohl für Schmerzreduktion (Aussage auf geringer Qualitätsstufe) als auch für Funktionsverbesserung (moderate Qualität) kein signifikanter Unterschied der „Standardized Mean Difference (SMD)“ zur Kontrollgruppe; bis auf unerwünschte Wirkungen, die in der Kontrollgruppe weniger häufig waren, allerdings auch in der MT-Gruppe nach wenigen Tagen ohne weitere Behandlung verschwanden.

Das Urteil der Autoren fällt dennoch – völlig zu Recht – sehr zurückhaltend und gut „balanciert“ aus:

Es gibt momentan keinen sicheren Nachweis für eine Wirksamkeit von MT auf die erfassten Outcomes, allerdings ist diese Aussage aufgrund der Heterogenität der Datenlage, d.h. den großen Unterschieden in den einzelnen Primärstudien, nur sehr unsicher zu treffen.

Einen Grund für die Differenzen in den Studien sehen die Autoren in methodischen Aspekten der MT. In fast allen Studien führten die Therapeuten ein individuelles Assessment und auf der Grundlage dieses Assessments dann die Therapie durch, dennoch gab es Unterschiede in den Techniken, der Dauer, Frequenz, Dosierung der Behandlung und der Erfahrung der Behandler. Eine Subgruppen-Analyse dieser Parameter war leider nicht möglich. Wir wissen also sehr wenig Gesichertes über diese Parameter (Vaarbakken & Ljunggren 2007).

Auch die Frage, bei wem – wenn überhaupt – eine MT-Behandlung Sinn macht, ist bislang ungeklärt. Was zeichnet einen guten Responder aus? Patienten mit reduzierter endogener Schmerzhemmung (Courtney et al 2016, Girbes et al 2014)? Patienten mit stärker eingeschränktem ROM (Kappetijn et al 2014) oder Richtungspräferenz (Rosedale et al 2014)?

Wir wissen es momentan nicht, und damit müssen wir leben. Aber um solche Fragen in Zukunft beantworten zu können, brauchen wir solche Arbeiten, die keinesfalls alle Fragen beantworten, aber viele wichtigen Fragen aufwerfen. Wir als Therapeuten sollten lernen mit „Unsicherheiten“ zu leben (so ist das Leben und die Wissenschaft 😉 ), statt uns auf Fortbildungen, „Ungewisses“ als „sichere Lösung“ verkaufen zu lassen. Da werden oft „Kochrezepte“ vorschnell vermittelt, vielleicht aus Unwissenheit, vielleicht, um dem Anspruch der Teilnehmer zu genügen, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen!!!

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