Wie wirkt „EXPLAIN PAIN“?

Wie wirkt „EXPLAIN PAIN“?

Wie verändert ein besseres Wissen über Schmerz („Schmerzen verstehen“) die Schmerzintensität und die Funktion?

Das primäre Ziel einer neurophysiologischen Schmerzedukation ist eine Veränderung der Schmerzkonzepte unserer Patienten (im „Psychologen-Deutsch“ spricht man hier von Rekonzeptionalisierung):

Eine Rekonzeptionalisierung des Schmerzes, weg von einem „Schadensanzeiger“ und hin zu einem Verständnis von Schmerz als ein Output in unser Bewusstsein, das uns dazu motiviert, protektive Maßnahmen zu ergreifen, um Gefahren oder Bedrohungen abzuwenden. Wenn solche Veränderungen in der Bedeutungszuschreibung von Schmerz gelingen, zeigen sich Effekte auf Schmerzintensität, Funktion und psychologische Faktoren (Systematischer Review von Louw et al 2016, „PT Theory and Practice“).

Was steht aber hinter diesen Effekten, wie werden sie vermittelt? Ein wichtiger Faktor wurde bislang in einer Abnahme von Katastrophisierungstendenzen gesehen.

Lee, Moseley (schon wieder der!!!!) und Kollegen gingen dieser Frage in einer Analyse von 799 Schmerzpatienten nach, die in 7 Zentren eine neurophysiologische Schmerzedukation durch Physiotherapeuten (PNE) erhalten hatten.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26761387

Um die Rekonzeptionalisierung der Patienten zu quantifizieren, wurde ein validierter „Fragebogen zur Neurophysiologie des Schmerzes“ eingesetzt (Folie 1).

Dabei konnten sie eindrucksvoll zeigen, dass eine Veränderung der Schmerzkonzepte innerhalb des 1. Monats tatsächlich mit einer Schmerzreduktion und einer Funktionsverbesserung über 6 bzw. 12 Monate einhergeht, allerdings war eine Reduktion der Katastrophisierung nicht der „vermittelnde“ Faktor (Folie 2).

Als Ergänzung zu diesen Ergebnissen hat Moseley auf mehreren Kongressen bislang unveröffentlichte Ergebnisse vorgestellt, die ein noch klareres Bild zeigen (Folie 3):

Jene Patienten (1760 Teilnehmer), bei denen in den ersten vier Wochen ein Rekonzeptionalisierung glückte, hatte langfristig deutlich bessere Therapieergebnisse. Gelang der Austausch der Schmerzkonzepte nicht, waren auch die langfristigen Ergebnisse schlechter.

Also: Wir müssen früh und überzeugend Schmerzkonzepte austauschen, um unseren Pateinten langfristig helfen zu können!!

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