Zwei-Punkt-Diskrimination

Zwei-Punkt-Diskrimination

Die taktile Genauigkeit (Zwei-Punkt-Diskrimination) bezieht sich auf die Präzision, mit der wir Berührung wahrnehmen können (Goldstein 2010), wobei diese Fähigkeit bei einigen chronischen Schmerzzuständen, wie Rückenschmerzen, Arthrose oder CRPS reduziert ist (Cathley et al. 2014, Luomajoki & Moseley 2011, Stanton et al. 2013).

Diese Beeinträchtigungen lassen sich jedoch nicht durch Defizite bei der taktilen Detektion (Moseley & Flor 2012) oder Übertragung (van Rijn et al. 2009) erklären und spiegeln daher vermutlich kortikale Veränderungen wider, z.B. einer funktionellen Reorganisation des Antwortprofils von Neuronen im primären somatosensorischen Kortex (S1) (Flor 2003, Maihöfer et al. 2008). Die Fähigkeit zur taktilen Diskrimination hängt von der Integrität von S1 ab (Duncan & Boynton 2007); daher scheint sich bei einigen chronischen Schmerzzuständen die kortikale Reorganisation als verminderte taktile Genauigkeit an der betroffenen Körperregion zu manifestieren.

Entsprechend haben Behandlungen, die auf eine Verbesserung der taktilen Genauigkeit abzielen, bei einer Reihe von chronischen Schmerzzuständen einen klinischen Nutzen gezeigt (Moseley et al. 2008, Flor et al. 2001, Moseley & Wiech 2009, Wand et al. 2013, Wälti et al. 2015,Kälin et al. 2016).

Während des Zwei-Punkt-Diskriminationstests (ZPD-Test) können Therapeuten die Normwerte auf der folgenden Abbildung als Leitfaden verwenden.

Als Beispiel: Bei einem Patienten mit Rückenschmerzen werden die Messschieber auf Länge des Referenzwertes (55,5 mm) geöffnet, danach wird die Fähigkeit des Patienten, einen oder zwei Punkte zu unterscheiden, beurteilt. Wenn er dazu in der Lage ist, ist die ZPD intakt. Wenn nicht, werden die Messschieber weiter geöffnet, sagen wir auf 65 mm. Wenn der Patient in der Lage ist, einen oder zwei Punkte zu unterscheiden, liegt dies bei einer Standardabweichung von 12,7 mm immer noch innerhalb der normalen Werte.

Sobald der Messschieber 68,2 mm überschreitet, wird der Wert als anormal angesehen. Diese Ergebnisse werden mit der anderen Seite oder den angrenzenden Bereichen verglichen. In der Regel sind diese Werte deutlich verändert, was auf ein Problem mit der Diskrimination hinweist. So zeigte Moseley beispielsweise in einer Fallserie von Patienten mit chronischen Rückenschmerzen dass die Messschieber manchmal 100 mm überschreiten mussten, bevor die Patienten korrekt über eine Berührung durch einen oder zwei Punkte berichten konnten (Moseley 2008).

TO TOP
error: Content is protected !!
X